H A N S   F I S C H E R – S C H U P P A C H

 

Weitere Werke von Hans Fischer-Schuppach

 

hans-fischer-schuppach-gesellschaftskritische-darstellung

 

Gesellschaftskritische Darstellung eines hochrangigen Militärs, eines beleibten Unternehmers samt Gattin und eines Adligen

Lithographie auf festerem sandfarbenem Velinpapier
u.r. in Blei datiert „[19]32“

Blattgrösse: 52,1×37,6cm

u.r. in Blei signiert „Fischer“
nicht betitelt

€ 400,-

 

           

 

Zustand
partiell Druckstellen; Ecken etwas bestoßen; Ecken u.l. und u.r. mit leichter Knickspur; im unteren Blattbereich leichte diagonal verlaufende Stauchung; am oberen Rand minimaler Einriss (Länge etwa 2mm); verso leicht fleckig, sowie o.r. in Blei bez.[?]

 

 

Nachdem Hans Fischer(-Schuppach) die Badische Landeskunstschule besuchte, verzog er zusammen mit seiner späteren Frau Hanna Nagel 1929 nach Berlin. Dort wurde er von Hans Meid unterrichtet, dessen Meisterschüler er 1934 auch wurde. Die vorliegende Lithographie entstand in dieser Berliner Phase des Künstlers. Die Datierung als auch die neben der Signatur befindliche Annotation „Meid“ verweisen deutlich auf die Ausbildung bei Hans Meid an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst. Ausführung und Motivwahl sind jener Werkgruppe zu zuordnen, die Catherine Reisemann als „freie Graphik um 1931“ bezeichnet (Reisemann 1987: 28ff.).
In dieser Zeit entstand ein umfangreiches graphisches Schaffen, welches neben u.a. phantastisch surrealen und neusachlichen Arbeiten auch Werke mit politischen Motiven beinhaltet. Im Gegensatz zu dem übrigen graphischen Schaffen, besteht diese zuletzt genannte Gruppe nur aus wenigen Arbeiten (vgl. ebd.; S. 63).
Die vorliegende Lithographie ist dezidiert in diese Gruppe der politischen Graphiken einzuordnen und ist was den Aufbau und das Motiv angeht vergleichbar mit der bei Reisemann als „Stützen der Gesellschaft“ betitelten Lithographie (Abb. 24, S.115). Wobei der Titel wohl später zugeordnet wurde und sich dabei zweifelsohne an das gleichnamige Gemälde (1926) von George Grosz anlehnt. Wie auch sechs Jahre zuvor bei Grosz stellt Fischer-Schuppach hier idealtypische Repräsentanten der die Gesellschaft beherrschenden Gruppen dar. Man erkennt problemlos im rechten Bereich den hochdekorierten Militär, links daneben folgt ein beleibter Unternehmer mit seiner jüngeren, an modischer Kleidung übervollen Frau. Im linken Bildbereich steht ein dürrer, kantig und stramm gezeichneter Mann, der sich mit der rechten auf einen Stock stützt und in der linken seinen Hut (Zylinder?) hält. Womöglich handelt es sich hierbei um einen Vertreter des Adels. Im Hintergrund sind farblich etwas schwächer noch eine Frau und ein telefonierender Mann erkennbar.
Die zusammenfassenden Ausführungen Reisemanns zu der dort behandelten Lithographie (‚Stützen der Gesellschaft‘) können durchaus auch für das vorliegende Blatt gelten. „Fischer zeigte nicht Individuen, sondern Klassentypen. Er stellte in dieser Graphik gesellschaftliche Systeme in Frage, doch ihm fehlt die beißende Kritik, die z.B. Grosz Graphiken auszeichnet, da die Ästhetik bei Fischer nicht moralischen Begriffen untergeordnet wird“ (ebd.; S. 64).
Schön herausgearbeitete frühe Komposition aus der für Fischer-Schuppach seltenen Werkgruppe der politischen Graphiken.

 

 

Zu Hans Fischer-Schuppach (27.05.1906 Fafe (Portugal) – 01.05.1987 Heidelberg):
Maler, Zeichner, Grafiker; der Vater stammte aus Lörrach und besaß in Fafe eine Spinerei; 1916 nach der Kriegserklärung Portugals kam es zur Aussiedlung nach Deutschland; die Schulzeit verbrachte er in Lörrach und Karlsruhe; 1923-24 Volontär im Malersaal des Badischen Landestheaters; 1924-28 Besuch der Badischen Landeskunstschule (bei Georg Scholz, Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Ernst Würtenberger); 1928-29 Balkanreise (zusammen mit Ernst Feuerstein) bis nach Konstantinopel; 1929 Übersiedlung (zusammen mit Hanns Nagel) nach Berlin, dort Besuch der Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (bei Hans Meid); 1931 Heirat mit Hanna Nagel; 1934 geht zusammen mit Hans Meid als dessen Meisterschüler an die Preußische Akademie der Künste; 1933-34 Romreise mit Hanna Nagel, da diese den Rom-Preis erhielt; 1935-36 Rom-Preis und erneuter Aufenthalt dort; 1937 längerer Aufenthalt in Kassel; 1938 Übersiedlung nach Heidelberg; Geburt der Tochter Irene Fischer-Nagel; 1940-45 Kriegsdienst in Frankreich, in den Niederlanden, in Belgien, Russland, Griechenland, Kroatien, Albanien; britische Kriegsgefangenschaft; ab 1945 als freischaffender Künstler in Heidelberg tätig, ab dieser Zeit führte er auch den Mädchennamen seiner Großmutter „Schuppach“; 1946-47 Trennung von Hanna Nagel; 1958 Aufnahme in die Badische Sezession; zahlreiche Studienreisen nach u.a. Frankreich, Portugal; Fischer-Schuppach entwirft auch Theaterkostüme

Literatur
MÜLFARTH, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler; Badenia-Verlag; Karlsruhe; S. 156
REISEMANN, Catherine (1987): Das Frühwerk von Hans Fischer-Schuppach (Magisterarbeit); Kiel