H A N S   B U L L I N G E R

 

 

hans-bulling

 

„Kirche in Görsicker“

Farbkreiden und Kohle auf leichtem sandfarbenem Karton; mit lose beigefügter originaler Rahmenrückwand
u.r. in Blei datiert „[19]23“, sowie darunter nochmals genauer datiert „Sept. [19]23“

Grösse der Rahmenrückwand: 25,7×36,7cm
Blattgrösse: 19,2×27,9cm
Bildgrösse: (etwa) 15x21cm

u.r. in Blei signiert „H. Bullinger“, sowie am unteren Rand mittig nochmals in Blei signiert und mit damaliger Adresse des Künstlers versehen „Bullinger Oberhausen (Rhld.) Arndtstr. 88“, sowie verso auf früherer Rahmenrückwand vom Künstler in Blei voll signiert und nochmals mit dessen Adr. bez.
verso auf früherer Rahmenrückwand vom Künstler in Blei bez.: „Kirche in Görsicker“, sowie mit früherer Preisangabe „M. 20“ versehen

€ 260,-

 

          

 

Zustand
Blatt insgesamt leicht wellig; in den Randbereichen punktuell leichte Reste früherer Befestigung (Klebespuren); Ecken etwas bestoßen; in Eckbereich u.r. Einschnitt (Länge etwa 3,7cm); insgesamt etwas nachgedunkelt; partiell etwas fleckig; partiell leichte Druckstellen; verso am linken und rechten Rand Reste früherer Befestigung (helles Klebeband); verso mittig in Blei nummer. (datiert?) „23“; lose beigefügte Rahmenrückwand etwas berieben, sowie fleckig und an den Rändern umlaufend mit braunem Klebeband

 

 

Der aus dem pfälzischen Haßloch stammende Hans Bullinger ist in seinen künstlerischen Aktivitäten etwa ab Ende der 1910er Jahre im Rheinland nachweisbar. So steuerte er 1919 eine Lithographie zur ersten Mappe des Aktivistenbundes bei. In den 1920er Jahren war er im Kontakt mit und aktiv beim „Jungen Rheinland“. Im Gegensatz zu späteren Werken der 1930er/-40er Jahre zeigt sich in den wenigen bekannten Arbeiten der früheren Phase ein mitunter farbintensiver expressiver Realismus, bei dem sich Einflüsse des Rheinischen Expressionismus durchaus offen zeigen.
Die vorliegende Zeichnung eröffnet dem Betrachter einen Blick auf die evangelische Kirche in Görsicker (heute: Götterswickerhamm, Ortsteil von Voerde am Niederrhein). Die titelgebende Kirche wird nur in schwachen Grautönen umrissen und verschwindet beinahe vor dem in verschiedensten Grüntönen sich zeigenden Blätterwerk. Gräser, Bäume und Sträucher sind seitlich des kleinen Wegs, erheben sich und verdecken mitunter auch den Blick auf das Gebäude.
Hans Bullinger ging es bei dieser Zeichnung in erster Linie freilich nicht um ein Abbild der Kirche, sonst hätte er sich einen Standort mit einer freieren Sicht auf diese ausgesucht. Vielmehr erscheint für den Betrachter das Zusammenspiel zwischen sanft geschwungenem Weg, satt grüner Vegetation und dezent sich zeigender Kirche als ein innerer Einklang, bei dem jedes Element als eine conditio sine qua non für die Wirkkraft der Gesamtkomposition erscheint.

 

 

Zu Hans Bullinger (05.03.1896 Haßloch – 1975):
Maler, Zeichner, Grafiker; 1919 mit einer Lithographie beteiligt an der Mappe „Das Buch Eins des Aktivistenbundes“; 1921 Beteiligung bei Ausstellungen des Jungen Rheinlands; 1937-38 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1937 Beteiligung an der „Kunstausstellung“ (Haus der Kunst, Berlin); 1937-43 Beteiligung an der „Großen deutschen Kunstausstellung“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung Kassel im städtischen Kunsthaus“; 1940 Beteiligung an der „Rheinischen Kunstausstellung in Berlin“ (Schloss Schönhausen); 1942 Beteiligung an der Ausstellung „Der Rhein und das Reich. Düsseldorfer Kunstausstellung“ (Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig); 1942 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); Bullinger schuf insbesondere (niederrheinische) Landschaftsmotive und Stillleben