G U S T A V   T R A U B

 

 

gustav-traub

 

„Vergessen hat die Erde des Tages des Tages Weh…“ 

Mischtechnik (Aquarell über leichten Bleistiftvorzeichnungen, partiell mit Deckfarben gehöht); auf Velinpapier; an den oberen beiden Ecken vom Künstler befestigt in cremefarbenes Passepartout; dieses Passepartout am oberen Rand nochmals befestigt (durch Klebestreifen) unter Passepartout
nicht datiert, spätestens 1936

€ 1.100,-

 

 

                  

 

Grösse des äusseren Passepartouts: 54x44cm
Blattgrösse: 37×27,2cm
Bildgrösse: 32,5x22cm

u.r. in Blei signiert „Traub“, sowie auf dem Passepartout u.r. am Ende der Widmung in Blei voll signiert „Gustav Traub“
u.l. in Blei betitelt: „Vergessen hat die Erde des Tages des Tages Weh…“, sowie verso auf dem Passepartout nochmals in Blei betitelt und nummer. „12“; Gedichtillustration zu „Sommernacht“ von Johanna Ambrosius

Zustand
Blatt an den oberen beiden Ecken vom Künstler befestigt in cremefarbenes Passepartout; dieses Passepartout am oberen Rand nochmals befestigt (durch Klebestreifen) unter Passepartout; Blatt in den Randbereichen (wohl) technikbedingt etwas farbfleckig (unter Passepartout nicht sichtbar); das originale Passepartout im Ausschnittbereich u.r. mit Einriss, sowie insgesamt mit leichten Druckstellen, sowie u.r. vom Künstler in Blei bez. „nicht radieren!“

Provenienz
1) am unteren Rand des Passepartouts vom Künstlers in Blei gewidmet „Frau Paula […] mit den besten Wünschen zum 18. Aug. 1936! Gustav Traub“
2) 16. April 1994, Arno Winterberg, Heidelberg, Auktion [„Auktion 48. Dekorative Graphik, Kunst des 15. bis 20. Jahrhunderts“], Los 901 (Katalogseite 190) [hierzu verso auf dem äußeren Passepartout o.r. in Blei mit der Losnummer bez.]

 

 

Bei dem vorliegenden Werk Gustav Traubs handelt es sich um eine Illustration zu dem Gedicht „Sommernacht“ von Johanna Ambrosius (1854 Lengwethen bei Ragnit, Ostpreußen – 1939 Königsberg).

„Mit ausgespannten Armen
Kommt leis‘ die Nacht.
Drückt Feld und Wald und Fluren
Ans Herze sacht.

Schlägt ihren weichen Mantel
Um Strauch und Baum,
Und summt mit Glockentönen
Die Welt in Traum.

Vergessen hat die Erde
Des Tages Weh,
Ich hebe meine Augen
Hinauf zur Höh‘.

Ein Vöglein seh‘ ich tauchen
Ins Abendgold,
Ach, wenn’s auch meine Seele
Mitnehmen wollt‘!“

Obgleich die Betitelung Traubs (‚Vergessen hat die Erde…‘) sich nur auf die dritte Strophe bezieht, umfasst er in der Darstellung doch das gesamte Gedicht. Die Nacht, personifiziert durch eine junge Frau, durchwandert in ‚ihrem weichem Mantel‘ die Landschaft. In der linken Hand hält sie die Glocke mit der sie ‚die Welt in Traum summt‘. Im oberen linken Bereich fliegt eine Vogelschar, welcher der Leser schwermütig nachsinnt. Ganz dem dargestellten Verlauf der Nacht folgend hat Traub das Werk im rechten Bereich dunkler gehalten, wogegen es sich je weiter man nach links schaut noch in sanftem Abendrot aufhellt.
Wunderschön einfühlsame Umsetzung des dichterischen Vorbilds!

 

 

Zu Gustav Traub (23.12.1885 Lahr/Schwarzwald – 16.05.1955 St. Märgen):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; drei Jahre Besuch der Kunstgewerbeschule Karlsruhe; als Maler zum Großteil Autodidakt; zwei Jahre Aufenthalt in Paris; nach seiner Rückkehr in München ansässig und tätig; in dieser Zeit war er längere Zeit als Illustrator für die „Meggendorfer Blätter“ und die „Fliegenden Blätter“ tätig; 1920 erscheint Gottfried Kellers „Sieben Legenden“ (mit zehn Radierungen von Traub) bei Hanfstaengl in München; 1921 erscheint Gottfried Kellers „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“ (mit Illustrationen Traubs) bei Hanfstaengl; 1922 erscheint „Aladin und die Wunderlampe“ (in einer Übersetzung von Gustav Weil, mit Illustrationen Traubs) bei Schaffstein (Köln); 1933 Beteiligung an der „Staatlichen Kunstausstellung München“ (Neue Pinakothek); 1934 Beteiligung an der „Deutschen Frühjahrsausstellung“ (Mathildenhöhe, Darmstadt); 1934-35 Beteiligung an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek); 1935 Beteiligung an der Ausstellung „Münchner Kunst“ (Neue Pinakothek); 1937 Beteiligung an der Ausstellung „Figur und Komposition im Bild und an der Wand“ (Neue Pinakothek); 1937-44 Beteiligung an der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ (Haus der Deutschen Kunst, München); 1939 Verleihung des Professorentitels; Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft; 1941 Umzug nach St. Märgen und fortan dort tätig; 16.05.-31.12.2010 Sonderausstellung „Schwarzwaldlandschaften. Prof. Gustav Traub“ im Kloster Museum (St. Märgen)