G U I D O   S C H R E I B E R

 

Weitere Werke von Guido Schreiber

 

guido-schreiber-linach

 

„Linach“

Aquarell, Kohle & Blei auf leichtem Malkarton [„Schoellers Hammer“];
u.r. in Blei datiert „7.5.1941“

Blattgrösse: 34,9×48,5cm

u.r. in Blei signiert „G. Schreiber“
u.l. in Blei bez.: „Linach“

€ 260,-

 

 

 

 

                

 

Zustand
insgesamt etwas nachgedunkelt; Farben leicht aufgehellt; mitunter sehr leicht wellig; am unteren Blattrand links minimal aufgeraut; am linken Blattrand oben minimal aufgeraut; verso mittig in Blei bez. „Hummel“; verso an den Rändern umlaufend helles Klebeband; verso etwas fleckig (im Eckbereich u.l. etwas stärker fleckig)

 

 

Die Linach mündet im Süden von Vöhrenbach in die Breg und zugleich ist dies auch der Ortsname eines heute zu Furtwangen gehörenden Stadtteils, welcher wenige Kilometer weiter südwestlich von Vöhrenbach liegt. Von Villingen liegt das etwa 15 bis 20 Kilometer entfernt in südwestlicher Richtung.
Der aus Bad Dürrheim stammende Guido Schreiber war zwischen 1917 und 1951 in Villingen ansässig. Er arbeitete bei der dortigen Post und hielt in seiner freien Zeit insbesondere die Landschaft malerisch und zeichnerisch fest. Als Künstler trat er ab etwa 1920 mit seinen Werken an die Öffentlichkeit und war zum Zeitpunkt des Entstehens des vorliegenden Werks (1941) in seiner Heimatregion durchaus bekannt. Für den Schwarzwaldverein entwarf er zwischen 1926 und 1928 den Buchschmuck, 1934 wurden 15 seiner Aquarelle als Bebilderungen für einen Stadtführer Villingens verwendet und für die „Badische Heimat“ schuf er in den Jahren 1921, 1926 und 1938 Illustrationen zu Artikeln.
Guido Schreiber schuf vornehmlich Landschaftsansichten, welche er in der Region um Villingen aber auch darüber hinaus bei zahlreichen Reisen fand. Insgesamt lassen sich mehr als 800 Orte nachweisen, die dem Künstler Motive lieferten (vgl. Hans-Jörg Pott (1995):Ein Stiller im Ländle: der Maler Guido Schreiber (1886-1979), in: Badische Heimat; Bd. 75; S. 593-605 [hier: 600]).
Das vorliegende Werk dürfte sich dem Titel nach eher auf den Fluss als auf die Gemeinde bzw. den Ortsteil Linach beziehen. Außer einem am Hang stehenden Haus ist keinerlei Hinweis auf eine Ortschaft erkennbar, doch hebt sich dagegen das dezent gesetzte, strahlende Blau des Flusses ab von der umliegenden in Gelb-, Braun- und Grüntönen gehaltenen Natur.
Schreiber versetzt den Betrachter auf eine Anhöhe. Der Blick geht dem Fluss folgend in ein Tal, über sanfte bewaldete Hügel tief in die für den Künstler so liebgewonnene Region hinein. Der leicht bewölkte Himmel wird in nur wenigen Strichen und mit nur zart aufgetragenem Blau angedeutet. Es wird sicherlich ein schöner, milder Maientag gewesen sein, der hier auf die für Guido Schreiber ganz eigene expressiv-realistische Manier festgehalten wurde.

 

 

Zu Guido Schreiber (13.05.1886 Bad Dürrheim – 12.11.1979 Bochum):
Maler, Zeichner; Sohn von Franz Xaver Schreiber und dessen Frau Mathilde, geb. Glöckler; Besuch der Volksschule in Bad Dürrheim, der Realschule in Villingen und für ein Jahr Besuch der Oberrealschule am Rotteckplatz in Freiburg i.B.; 1904 tritt als Postgehilfe in den Postdienst in Freiburg ein; berufsbedingt wurde er etwa 40-50 Mal versetzt und lernte so ganz Baden kennen; 1915-16 beginnt Schreiber während er beim Postscheckamt in Karlsrue beschäftigt ist zu malen und zu zeichnen; 1917 Umzug nach Villingen; in Villingen lernt er den Maler Richard Dumscheck (1884-1959) kennen; als Künstler ist Schreiber Autodidakt; ab dem Anfang der 1920er Jahre tritt er durch Ausstellungen an die Öffentlichkeit; der Freiburger Kunstverein zeigt regelmäßig Werke von ihm; Unterstützung erfährt Schreiber zudem von den Schriftleitern der „Badischen Heimat“ Max Wingenroth und Hermann Eris Busse; für die „Badische Heimat“ lieferte er immer mal wieder Illustrationen; 23.05.1921 Heirat mit Ella, geb. Rothweiler aus Villingen; in Villingen schließt sich Schreiber dem Künstlerkreis um den Buchhändler Josef Liebermann (1892-1958) an; 1924 Geburt der Tochter Dorothea; 1934 Geburt des Sohns Franzsepp; nach 1950 schafft er Illustrationen mit Ortsansichten für den „Südkurier“; 05.02.1942 Tod der Ehefrau; 1946 mit acht Aquarellen vertreten bei der Ausstellung „Maler des Schwarzwaldes und der Baar“ (Haus der Jugend, Villingen); 1951 Pensionierung und Umzug zu seiner Tochter nach Bochum; durch Reisen kommt er immer wieder nach Süddeutschland und hält seine Eindrücke zeichnerisch fest; 1986 Gedenkausstellung zum 100. Geburtstag in der Stadtsparkasse Villingen; 2008 unter dem Titel „Eine Kunstwanderung vom Hochrhein zum Schwarzwald“ fanden zwei parallel Ausstellungen mit Werken Schreibers im Stadtmuseum Wehr und im Kurhaus Wehratal in Todtmoos statt

Literatur
FREY, Roswitha: Ein Chronist der Schönheiten der Region, in: Badische Zeitung (v. 09.07.2008)
POTT, Hans-Jörg (1995):Ein Stiller im Ländle : der Maler Guido Schreiber (1886-1979), in: Badische Heimat; Bd. 75; S. 593-605
ZOLLER, Andreas (1994): Guido Schreiber 1886-1974. Streifzüge durch die Baar [Katalog zur Ausstellung in der Donauhalle in Donaueschingen vom 26. März bis 4. April 1994]; Hausen ob Verena