F R I T Z   S C H M A L F U ß

 

Weitere Werke von Fritz Schmalfuß

 

 

Winterliche Ansicht auf einen Teil der Stadtmauer in Zerbst

Öl auf Leinwand, Keilrahmen
u.r. datiert „[19]40“

Grösse: 50x40cm

u.r. signiert „Schmalfuß“
nicht betitelt

reserviert

 

 

 

 

                      

 

 

Zustand
partiell leicht fleckig; verso auf Keilrahmen u.m. in Blei (wohl) Angaben von früherem Rahmenmacher

 

 

Der 1915 geborene Fritz Schmalfuß studierte ab etwa 1935 an der Dresdner Kunstakademie bei Wilhelm Rudolph und Richard Müller. In seiner kurzen Schaffenszeit war er in Dresden ansässig und hatte dort sein Atelier in der Marschallstraße 39. Im Frühjahr 1944 erhielt er einen Einberufungsbefehl und fiel noch wenige Wochen vor Kriegsende am 3. (oder 5.) März 1945 bei Schlönwitz in Pommern. Aufgrund dieser nur etwa eine Dekade umfassenden Zeitspanne tauchen nur vereinzelt Arbeiten Schmalfuß‘ auf. Diese lassen dann jedoch deutlich eine expressiv-realistische Grundhaltung erkennen, welche wohl nicht wenig von seinem Lehrer Wilhelm Rudolph (mit-)beeinflusst wurde. Bedenkt man, dass Schmalfuß während seiner Studienzeit in Dresden in der Leitung des dortigen NSDStB aktiv war, so liegt die Vermutung nahe, dass er zu jener durchaus breiten Strömung gerechnet werden könnte, die versuchten einen ‚nordischen Expressionismus‘ als konformes Ausdrucksmittel der damaligen Zeit zu etablieren. Bekannte Vertreter hiervon waren u.a. Joseph Goebbels, Baldur von Schirach, Fritz Hippler, Otto Andreas Schreiber. Diese Unterstützung der Moderne lässt sich mitunter auch daran sehen, dass gegen Schmalfuß mithilfe der „Strafordnung für Studenten an den deutschen Kunsthochschulen“ vorgegangen wurde. Demnach sollte er zusammen mit Günther Hildebrandt, Gerhard Müller und Kurt Ramm eine Beschwerde – die heute nicht mehr überliefert ist – gegen die Führung der NS-Studentenschaft eingegeben haben (vgl. hierzu Gertrud Thiele (1990): Die Akademie unter der Herrschaft des deutschen Faschismus [1933-1945], in: Hochschule für Bildende Künste Dresden (Hrsg.): Dresden. Von der Königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste; Dresden: VEB; S. 355f.). Auf eine solche Nähe zur Moderne kann auch seine damalige Beziehung mit der schwedischen Bauhauskünstlerin May Hemberg (1906 Stockholm – 1992 Malmö) hindeuten.
Das vorliegende Gemälde entstand 1940 und damit zu einer Zeit als der Künstler bereits ein paar Jahre des Studiums absolvierte. Schmalfuß zeigt eine menschenleere winterliche Ansicht eines Teils der mehr als 4km langen Zerbster Stadtmauer. Zur rechten Seite erhebt sich die rötliche Mauer hinter der einzelne kahle Bäume zu erkennen sind. Auf der linken Seite stehen kleine historische Gebäude an denen entlang der verschneite Weg führt. Nach einer Linksbiegung verschwindet dieser, führt aber das Auge des Betrachters im Bildaufbau weiter zum signifikanten Turm im Hintergrund. Den morgendlich hellblauen Himmel bedecken leichte Wolken und man mag an einen kommenden schönen, aber kalten Wintertag denken.
Die expressiv-realistisch ausgeführte Komposition kommt dabei ohne besondere Details aus und entwickelt doch eine ganz eigene Stimmung. Es ist dabei vor allem die weiße Schneefläche, die in ihrem Verhältnis zu den angrenzenden Farbflächen eine schöne Spannung in das Bild legt. Die matten Farben der Häuser wirken gedämpfter, wogegen das Rot der Mauer als überaus vital und kräftig erscheint. Das gelbliche Gebäude in der Bildmitte bildet dazu eine warme Fläche und vermittelt damit zugleich den Anbruch des neuen Tages.

 

 

Zu Fritz Schmalfuß (08.03.1915 – 3./5.03.1945 bei Schlönwitz (Pommern)):
Maler, Zeichner, Grafiker; seine Familie wohnte in Rußdorf bei Chemnitz; Mitte der 1930er Jahre Studium an der Kunstakademie Dresden (bei Wilhelm Rudolph und Richard Müller); sein damaliges Atelier hatte er in der Marschallstraße 39 (Dresden); im Wintersemester 1935/36 ist Schmalfuß unter den ersten Studenten, die den Kriterien des Studentenwerks entsprechen und eine Hochschulförderung erhalten; Schmalfuß ist zu dieser Zeit Mitglied des Führungsstabes des NSDStB in Dresden; Ende 1936 wird gegen Schmalfuß mithilfe der „Strafordnung für Studenten an den deutschen Kunsthochschulen“ vorgegangen, da er zusammen mit Günther Hildebrandt, Gerhard Müller und Kurt Ramm eine Beschwerde – die heute nicht mehr überliefert ist – gegen die Führung der NS-Studentenschaft eingab (Hildebrandt galt als Anführer und verlässt am 05.12.1936 die Akademie, für die anderen drei wird die Sache im Januar 1937 beigelegt); während seiner Zeit in Dresden war er liiert mit der schwedischen Bauhauskünstlerin May Hemberg (1906 Stockholm – 1992 Malmö); im Frühjahr 1944 erhielt er seinen Einberufungsbefehl; am 3./5. März 1945 fiel Schmalfuß bei Schlönwitz (Pommern, Polnisch: Słonowice); 2004/05 wurde die Leiche von Fritz Schmalfuß gefunden

Literatur
FRÖMEL, Susanne (2005): Endlich Gewissheit, in: GEO-Epoche; Nr. 17; Neckarsulm; S. 166-169
THIELE, Gertrud (1990): Die Akademie unter der Herrschaft des deutschen Faschismus [1933-1945], in: Hochschule für Bildende Künste Dresden (Hrsg.): Dresden. Von der Königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste; Dresden: VEB; S. 307-390 [hier: 336, 352, 353, 355, 356, 390] „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 40020573