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Friedrich G Einhoff: „Grüne Büsche vor roter Schachthalle und Fördergerüst“

Weitere Werke von Friedrich G. Einhoff

 

Friedrich G. Einhoff: „Grüne Büsche vor roter Schachthalle und Fördergerüst“

 

„Grüne Büsche vor roter Schachthalle und Fördergerüst“

Aquarell & Tempera auf dünnem, pergaminähnlichem Zeichenpapier, verso an den oberen beiden Ecken durch Klebestreifen auf weißen Karton gesetzt
nicht datiert, um 1924

u.r. in Blei monogrammiert „F.E.“, sowie auf dem unterlegten Karton u.r. Nachlassstempel in Schwarz „Nachlaß F. Einhoff / 00016 / 1901-1988“
betitelt mit „Grüne Büsche vor roter Schachthalle und Fördergerüst“ in: Stadt Gelsenkirchen, Kommunale Galerie (Hrsg.) (2001): Verschollen und wiederentdeckt. Friedrich G. Einhoff (1902-1988). Industrielandschaften 1920-1935; Kunstverlag Oltmanns; Unkel; S. 105 (mit ganzseitiger Farbabb.)

€ 2.500,-

 

 

                     

 

Grösse des unterlegten Kartons: 48,8x62cm
Blattgrösse: 30,2×37,8cm

Zustand
Blatt verso an den oberen beiden Ecken durch Klebestreifen auf weißen Karton gesetzt; Blatt technikbedingt etwas knittrig; linker Blattrand mit Abrisskante; am linken Rand oben minimaler Papierverlust; oberer Rand mittig mit schwacher Bestoßung; am oberen Rand mittig sehr kleiner bräunlicher Fleck (Umfang etwa 0,2×0,2cm); verso u.r. klein mit Kugelschreiber nummer.; unterlegter Karton recto u.l. mit kleinem Etikett und handschriftl. Größenangaben, sowie verso mit Lagerspuren und etwas fleckig

Provenienz
Nachlass des Künstlers

Abbildung
Ganzseitige Farbabbildung in: Stadt Gelsenkirchen, Kommunale Galerie (Hrsg.) (2001): Verschollen und wiederentdeckt. Friedrich G. Einhoff (1902-1988). Industrielandschaften 1920-1935; Kunstverlag Oltmanns; Unkel; S. 105

 

 

Darstellungen von Industrielandschaften des Ruhrgebiets nehmen im Schaffen Friedrich G. Einhoffs sowohl im Umfang als auch in ihrer Bedeutung einen besonderen Rang ein. Nach seinem Abitur 1920 absolvierte er ein Praktikum als Schmied und Grubenarbeiter auf der Zeche Wilhelmine-Viktoria 1/4. Ab 1921 besuchte er für ein Jahr die Gelsenkirchener Kunstgewerbeschule und absolvierte daneben eine handwerkliche Maler- und Grafikerlehre. Von 1922 bis 1923 war er einerseits als Bühnenbildner am Stadttheater Gelsenkirchen, sowie im Malerhandwerk tätig. Im Anschluss hieran begann er ein Studium für das Berufsschullehramt in Berlin, welches er 1925 mit dem Staatsexamen abschloss und im selben Jahr eine Anstellung in Frankfurt a.M. antrat.
Das vorliegende Werk ist in die hier skizzierte Zeit um 1924 einzuordnen. Einhoff zeigt uns einen Ausschnitt einer Zeche mit Fördergerüst, bei der es sich unter Umständen um die Zeche Wilhelmine-Viktoria 1/4 handelt.
In einer vornehmlich dunkel expressiven Farbigkeit scheinen sich die verschiedenen Bildelemente zu überlagern, ineinander überzugehen und zwingen somit den Betrachter zugleich zu einem intensiveren Schauen. Erst langsam bilden sich dann einzelne Strukturen und Konturen heraus – eine bräunliche Fläche im Vordergrund, drei strahlend grüne Büsche, rötliche und braune Fabrikanlangen mit kräftigen weißen Rauchschwaden und dahinter ein schwarzes Fördergerüst. Der Himmel ist in einer diffusen Melange aus Grün und Braun gehalten, was die bedrängend erdige Wirkung der Komposition nochmals unterstreicht. Und in dieser Farb- und Formsprache wird deutlich, was Klaus Türk als ein ambivalentes Element in Einhoffs Industrielandschaften charakterisiert: „Einhoffs Werk der zwanziger Jahre weist im Unterschied zu Arbeiten vieler anderer seiner Kollegen keine eindeutige Stellungnahme auf; vielmehr empfindet man eine ambivalente Haltung in Bezug auf seinen Gegenstandsbereich. […] Sein Hauptwerk [d.h. das Werk der 1920er Jahre] aber formuliert kein einfaches Für oder Wider, sondern eher ein reflexives Moment, das die eigene Unsicherheit nicht hinter zustimmendem oder strikt ablehnendem Pathos versteckt“ (Klaus Türk (2001): Industrie in der bildenden Kunst. Zur Stellung des Werkes Friedrichs G. Einhoffs on der Geschichte eines konfliktreichen Themas, in: Stadt Gelsenkirchen, Kommunale Galerie (Hrsg.): Verschollen und wiederentdeckt. Friedrich G. Einhoff (1902-1988). Industrielandschaften 1920-1935; Kunstverlag Oltmanns; Unkel; S. 16-22 [hier: 21]).
Herausragend ausgeführt, überaus eigenständige Komposition!

 

 

Zu Friedrich G. Einhoff (11.07.1901 Baven bei Hermannsburg (Kreis Celle) – 15.08.1988 Soltau):
Maler, Zeichner; 1905 Versetzung des Vaters (Konrektor an einer Schule) nach Gelsenkirchen-Heßler; die Industrielandschaften des Ruhrgebiets werden für Einhoff ein zentrales Motiv; 1920 Abitur; 1920-21 Praktikant als Schmied und Grubenarbeiter auf der Zeche Wilhelmine-Viktoria 1/4; 1921-22 Besuch der Kunstgewerbeschule Gelsenkirchen, daneben handwerkliche Ausbildung als Maler und Grafiker; 1922-23 Bühnenbildner am Stadttheater Gelsenkirchen, daneben praktische Tätigkeit im Malerhandwerk; 1923-25 Studium für das Berufsschullehramt in Berlin (1925 Staatsexamen), daneben als Maler tätig; 1925-27 Lehrer an der Schule für Grafik und gestaltende Gewerbe (Frankfurt a.M.), daneben Studium der Kunstgeschichte, Pädagogik und Psychologie an der Universität Frankfurt; Mitglied der Frankfurter Künstlergesellschaft; 1927-29 Lehrer an der Gewerbeschule Rostock; 1928 Kontakt zum Kunsthändler Karl Nierendorf (Berlin); 1928 Beteiligung an der Ausstellung „Kunst und Technik“ (Folkwang-Museum, Essen); 1929 Rückkehr nach Frankfurt a.M.; Ehrenpreis des Kunstvereins Frankfurt; 1930-34 Beteiligung an den Ausstellungen der Berliner Sezession und an Ausstellungen in der Preußischen Akademie der Künste (Berlin); 1934 Heirat mit Maria Dowie; 1935 Berufung nach Magdeburg an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule; ab 1938 entsteht eine Reihe großer Magdeburg-Ansichten; 1940 Kulturpreis der Stadt Magdeburg; 1944 eingezogen zum Kriegsdienst und eingesetzt bei der Marine; Einhoff erleidet schwere Verwundung und verbringt lange Zeit im Lazarett in Ogenbargen (Ostfriesland); englische Kriegsgefangenschaft; 1946 Rückkehr nach Deutschland und Ankunft in Soltau; ab 1947 tätig als Maler und Grafiker in Soltau; 1949 Lehrer an der Berufsfachschule in Biedenkopf, sowie 1949-52 Lehrer an der niedersächsischen Landesversehrtenberufsfachschule (Bad Pyrmont); zahlreiche Ausstellungen; 1952-63 Lehrer in Soltau; 1962 wird das Frühwerk Einhoffs aus einem Keller in Magdeburg in das Kulturhistorische Museum Magdeburg gebracht und beschlagnahmt; diese frühen Arbeiten werden 1990 wieder herausgegeben und 1991 in der Ausstellung „Friedrich Einhoff 1901-1988. Bilder aus dem Magdeburger Nachlaß 1922-1934“ im Museum Soltau gezeigt

Literatur
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Kettler; Bönen; S. 481
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 365
Museum Soltau (1991): Friedrich Einhoff 1901-1988. Bilder aus dem Magdeburger Nachlaß 1922-1934; Benedict Press; Münsterschwarzach
Stadt Gelsenkirchen, Kommunale Galerie (Hrsg.): Verschollen und wiederentdeckt. Friedrich G. Einhoff (1902-1988). Industrielandschaften 1920-1935; Kunstverlag Oltmanns; Unkel