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„Stillleben mit Laute“

Öl auf Malplatte, komplett aufgezogen auf fester Holzplatte, mit schlichtem Rahmen
u.r. datiert „1942“
u.r. signiert „Hahnle“

Rahmengrösse: 77×57,5cm
Grösse: 74,2x55cm

betitelt mit „Stillleben mit Laute“ in: Freundes- und Förderkreis Pforzheim Galerie e.V. (Hrsg.) (1996): Franz B. Hahnle [Katalog zur Ausstellung im Alten Pfarrhaus / Stadtmuseum Pforzheim v. 17.03.-12.05.1996]; Pforzheim; S. 41 (farbige Abb. 5), eine Abb. der relevanten Katalogseite findet sich am Ende der Fotos

€ 1.900,-

Kaufanfrage

 

Zustand
Malplatte komplett aufgezogen auf fester Holzplatte; leicht fleckig; durchgehend kleine punktuelle Farbverluste (im unteren Bildbereich etwas mehr); partiell kleine, dezent und sauber retuschierte Kratzspuren

Ausstellung
17.03.-12.05.1996, Altes Pfarrhaus / Stadtmuseum Pforzheim [umfassende Einzelausstellung mit Schwerpunkt auf den Arbeiten der Jahre 1938-58, im Ausstellungskatalog mit Farbabb. (s.o.)]

 

 

Der aus Pforzheim stammende Franz Berthold Hahnle studierte ab 1937 an der Karlsruher Akademie und wurde während dieser Zeit deutlich von der dortigen Neuen Sachlichkeit beeinflusst (vgl. hierzu: Anja Eichler (1996): Franz Berthold Hahnle (1921-1993) Neue Aspekte in Leben und Werk, in: Freundes- und Förderkreis Pforzheim Galerie e.V. (Hrsg.): Franz B. Hahnle [Katalog zur Ausstellung im Alten Pfarrhaus / Stadtmuseum Pforzheim v. 17.03.-12.05.1996]; Pforzheim; S. 13-30 [hier: 15f.]). Sein maßgeblicher Lehrer war zu dieser Zeit Georg Siebert, von dessen künstlerischem Ausdruck er sich mit der Zeit jedoch emanzipierte.
Ab 1941 war Hahnle im Kriegsdienst und ließ sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Augsburg nieder, wo er sich sowohl als Künstler wie auch mit einer Werbeagentur etablierte. In diesem späteren Werk trat er vor allem als (expressiver) Porträtmaler in Erscheinung, wandte sich gegen Ende jedoch erneut einer (foto-)realistischen Malweise zu. Das frühe Schaffen des jungen Künstlers blieb lange unbemerkt, obgleich gerade die „stilprägenden Arbeiten der Jahre 1938 bis 1958“ (Rainer Kunadt: Grußwort, in: Freundes- und Förderkreis Pforzheim Galerie e.V. (Hrsg.) (1996): Franz B. Hahnle [Katalog zur Ausstellung im Alten Pfarrhaus / Stadtmuseum Pforzheim v. 17.03.-12.05.1996]; Pforzheim; S. 7) eine erstaunliche hohe Qualität aufweisen.
In Bezug zu dieser frühen Schaffenszeit Hahnles schreibt Anja Eichler:
„Die Malweise tilgt alle Spuren des Malvorgangs. Dargestellte Gegenstände sind auf akribische Weise stofflich differenziert. Sie wurden gleichsam ‚viviseziert‘, d.h. der künstlerische Duktus zugunsten einer nahezu illusionistischen, in manchen Werken Hahnles fast fotorealistischen Wiedergabe aufgehoben. […] Je nüchterner und sachlicher die Gestaltung, desto deutlicher trat schon nach der Auffassung der neusachlichen Maler das Wesen der Dinge hervor. Hahnle löst sich mit Anknüpfung an diese Stilmittel vom plakativen Realismus seines Lehrers Georg Siebert, dessen Werke offensichtlich dem Zeitgeist der nationalsozialistischen Kunstauffassung entsprachen“ (Eichler 1996: 16).
Das vorliegende ‚Stillleben mit Laute‘ ist in diese Schaffensphase einzuordnen. Der Künstler stand zu dieser Zeit gerade einmal im 21. bzw. 22. Lebensjahr, was auf das erstaunliche Talent Hahnles verweist. Das Gemälde war zudem Teil der großen Pforzheimer Ausstellung im Jahr 1996.
Das Bild wird vom Künstler in zwei Bereiche separiert. Im Vordergrund ein Interieur samt Stillleben mit Laute, Maske, rosa Veilchen und einem blauen Tuch. Und im linken Bildbereich blicken wir über einen kleinen Mauervorsprung hinweg auf eine Stadtansicht mit ihren kühlen, neusachlich gezeigten Dächern. Weite und Nähe werden so zu einer innerbildlichen Spannung, die den Blick den Betrachters immer wieder hin und her schweifen lässt. Doch mag diese Spannung als überaus bereichernd empfunden werden, da diese doch inhaltlich kein Kontrast darstellt. In der Wirkkraft des Gezeigten überwiegt in allem das klar strukturierte Element, welches alles Nebensächliche ausblendet. Unweigerlich erhält die Ansicht dadurch eine gewisse Schwermut, welche durch das eigenwillige Stillleben noch verstärkt wird.

 

 

Zu Franz Berthold Hahnle (21.07.1921 Pforzheim – 31.07.1993):
Maler, Zeichner, Illustrator; Sohn eines Industriezeichners; ab 1935 Goldschmiedelehre; während dieser Zeit begann er sich für Kunst zu interessieren und besuchte die Kunstgewerbeschule Pforzheim; ab 1937 Besuch der Kunstakademie Karlsruhe (bei Georg Siebert); erste Ausstellungsbeteiligungen, v.a. mit Porträtgemälden; 1940 Arbeitsdienst; ab 1941 Kriegsdienst, während dieser Zeit entstanden zahlreiche Aquarelle; 1950 Umzug nach Augsburg (dort u.a. wohnhaft in der Werdenfelser Str. 31 a in Augsburg-Hochzoll); in Augsburg wurde Hahnle Mitglied der Künstlergruppen „Der Kreisel“ und „Die Ecke“ und beteiligte sich an deren Ausstellungen; 1957-1985 Präsident des neugegründeten BBK Schwaben Nord und Augsburg e.V.; jahrelang war er auch Vorsitzender der Gruppe „Die Ecke“, sowie des örtlichen Kunstvereins; 1958 Gründung einer Werbeagentur; 1958 Heirat mit seiner zweiten Frau Erika; erst 1970 wandte er sich wieder verstärkt der Malerei zu; Hahnle widmete sich v.a. der Porträtmalerei, wie auch Selbstbildnissen, daneben entstanden auch Stillleben und Landschaften; neben Gemälden, Aquarellen, schuf er auch Buchillustrationen und Buchumschläge, Wand-, Fassadengemälde, Faschingsdekorationen, Karikaturen und Werbegrafiken; Hahnles Frühwerke sind geprägt von der Neuen Sachlichkeit, wie sie in Karlsruhe mit u.a. Georg Scholz, Wilhelm Schnarrenberger, Rudolf Schlichter vertreten war, nach 1945 werden seine Werke expressiver und erhalten im Laufe auch kubistische Einflüsse, in den 1980er und 1990er Jahren kehrt Hahnle zu einem realistischen, fast schon fotorealistischen Stil zurück

Literatur
Freundes- und Förderkreis Pforzheim Galerie e.V. (Hrsg.) (1996): Franz B. Hahnle; Pforzheim
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00113448

 

 

 

 

aus: Freundes- und Förderkreis
Pforzheim Galerie e.V. (Hrsg.) (1996): Franz B. Hahnle [Katalog zur
Ausstellung im Alten Pfarrhaus / Stadtmuseum Pforzheim v.
17.03.-12.05.1996]; Pforzheim; S. 41 (farbige Abb. 5)