E U G E N   K E R S C H K A M P

 

 

eugen-kerschkamp

 

Hinterhofansicht

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [Originalrahmen?];
u.r. in Schwarz datiert „[19]30“

Rahmengrösse: 62×68,5cm
Leinwandgrösse: 49,5×55,7cm

u.r. in Schwarz signiert „Kerschkamp“
verso auf dem Rahmen o.m. in Blei unleserlich u.U. bez. „Am St[…?]“

€ 620,-

 

 

 

                

 

Zustand
in den Randbereichen leichten Druckstellen durch den hinterliegenden Keilrahmen; mitunter Craquelé-Bildung (etwas stärker im mittleren Bereich des Himmels, im rechten Hausdach, sowie im Grün u.l.); mitunter leicht beschmutzt; partiell Retuschen; Keilrahmen verso u.m. bez./nummer. [?]; Rahmen verso o.m. in Blei bez./nummer.; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (an Ecken/Kanten etwas berieben)

 

 

Eugen Kerschkamp begann sein Kunststudium 1900 an der Akademie in Düsseldorf, musste aber diese 1907 nach einer Zwischenpräsentation, bei der ihm ‚Talentlosigkeit‘ bescheinigt wurde, verlassen. Obgleich ohne akademischen Abschluss, engagierte er sich in den Folgejahren rege am Kunstleben in Düsseldorf, wurde Mitglied des „Sonderbunds Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“ und beteiligte sich an Ausstellungen des Sonderbunds. Wie bei vielen Künstler, so darf auch bei Kerschkamp der Erste Weltkrieg als eine Zäsur angesehen werden. Obgleich verlässliche Angaben zum eigenen Kriegsdienst fehlen, so musste er doch den Tod seines Bruders Alfons erleiden. Nach einem norddeutschen ‚temporären Intermezzo‘ in den 1920er Jahren – er wurde u.a. Mitglied der „Norddeutschen Sezession“ – verzog er 1928 nach Rhöndorf am Rhein. Abgesehen von den Jahren 1936 bis 1939 in denen er in Köln wohnte, blieb Kerschkamp bis zu seinem Tod dort ansässig.
Das vorliegende Gemälde aus dem Jahr 1930 ist in diese Rhöndorfer Jahre einzuordnen und womöglich hält Kerschkamp hier auch ein Motiv aus dieser Gemeinde fest.
Wohl in einem Hinterhof oder einem Garten stehend, blicken wir auf Häuserfassaden. Im Hintergrund erhebt sich ein mehrgeschossiges Gebäude, wogegen die Häuser im vorderen Bereich kleiner sind und deutlich einen dörflichen bzw. kleinstädtischen Charakter haben. Im Gartenbereich vorne links scheint eine zugewachsene Laube mit einem blühenden Rosenbusch zu stehen. Menschen finden sich nirgendwo, auch die Häuser wirken leer und verlassen – einzig am hinteren Haus ist das rechte Fenster geöffnet und lässt so zumindest dahinter einen Bewohner vermuten.
Die gesamte Komposition wurde von Kerschkamp in gedämpftem Kolorit ausgeführt. Bestimmend wirken sowohl die matten Grau- und Brauntönen der Häuser und des Himmels, wie auch das Zusammenspiel des Grüns im Garten mit dem Rotbraun des vorderen Hausdachs. Es ist dabei gerade das Grün, welches in seiner Ausführung in schnellen, kurzen Pinselstrichen eine Lebendigkeit und damit einen Bruch in die sich ansonsten trüb und trist zeigende Ansicht legt.
Wunderschöne, expressiv-realistische Komposition eines sehr zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlers!

 

 

Zu Eugen Kerschkamp (12.04.1880 Elberfeld – 1945[?] Rhöndorf am Rhein):
Maler; Besuch der Volksschule in Elberfeld-Barmen; ab 1890 Besuch des städtischen Gymnasiums; 1900-07 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf; in dieser Zeit häufige Reisen nach Paris, Amsterdam, Delft; 1907 muss Kerschkamp nach einer Zwischenpräsentation die Kunstakademie Düsseldorf wegen „Talentlosigkeit“ verlassen; Kerschkamp mietete sich ein Dachatelier an und suchte Kontakte zu anderen Künstlern; 1910 Mitglied des „Sonderbunds Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“ (Düsseldorf); 1912 Beteiligung an der „Großen Internationalen Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln“; im Ersten Weltkrieg wohl Soldat; sein Bruder Alfons stirbt im Krieg; 1919 Beteiligung an der Ausstellung der neugegründeten Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“; um 1924 in Stettin ansässig und dort Mitglied der „Norddeutschen Sezession“; in den Folgejahren weiterhin Beteiligung an Ausstellungen im Rheinland (u.a. von der „Ausstellungsgemeinschaft Kölner Maler (AGKM)“, der „Bonner Künstlervereinigung 1914 e.V.“, der „Rheinischen Sezession“); 1925 Mitglied der „Ausstellungsgemeinschaft Kölner Maler“; 1928 Mitglied der „Bonner Künstlervereinigung 1914 e.V.“; 1928 Umzug nach Rhöndorf am Rhein; 1929 Beteiligung an der Jubiläumsausstellung der „Rheinischen Sezession“ in der Kunsthalle Düsseldorf; 1935 Beteiligung an der Ausstellung „Maler sehen Deutschland. Große Ausstellung junger deutscher Landschaftsmaler“ (Städtische Kunstsammlung Duisburg); 1936-39 in Köln ansässig; 1937 Beteiligung an der Sommerausstellung des Heidelberger Kunstvereins „Deutsche Kunst der Gegenwart“ (Haus der Kunst, Heidelberg); 1937 Beteiligung an der „Großen Aquarellschau der jungen deutschen Kunst“ (Städtische Kunstsammlung Duisburg); 1937 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ acht Arbeiten beschlagnahmt (darunter vier Werke aus den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf, welche nach der Beschlagnahme zerstört wurden); 1939 Beteiligung an der Ausstellung „Der Niederrhein im Bilde zeitgenössischer Maler und Zeichner“ (Städtische Kunstsammlung Duisburg); 1939, 1940, 1942 Beteiligungen an der Ausstellung „Der deutsche Westen“ (Kölnischer Kunstverein, Westfälischer Kunstverein Münster); 1939 Erkrankung, Rückkehr nach Rhöndorf und Beendigung seines künstlerischen Schaffens; 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Rheinische Kunstausstellung Berlin“ (Schloss Schönhausen, Berlin); 1940 Beteiligung an der Ausstellung „Das Ereignisbild“ (Städtische Kunstsammlung Duisburg); 1940 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1941 Beteiligung an der „Gau-Ausstellung Köln-Aachen“ (Kulturwerk Köln-Aachen); 1942 Beteiligung an der Ausstellung „Der Rhein und das Reich“ (Herzog-Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig); 1942 Beteiligung an der „Winterausstellung Bergischer Künstler“ (Ruhmeshalle Wuppertal-Barmen); 1943 Beteiligung an der Ausstellung „Westdeutsche Künstler – Münchner Zeichner“ (Städtische Galerie München); Kerschkamp verstirbt kurz nach Kriegsende

Literatur / Quellen
GRIEBITZSCH, Herbert (1936): Eugen Kerschkamp – ein rheinischer Maler, in: Die Kunst für alle; 52. Jg. (Heft 1); Bruckmann; München; S. 14-17
ANNA, Susanne / BAUMEISTER, Annette (2006): Das Junge Rheinland. Vorläufer-Freunde-Nachfolger; Hatje Cantz; Ostfildern; S. 94, 156
Internetseite „Treffpunkt Kunst“ [treffpunkt-kunst.net]