E R I C H   H A R T M A N N

 

Weitere Werke von Erich Hartmann

 

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recto: (wohl) Darstellung von Sylt
verso: (wohl) Darstellung aus Messina

recto: Tusche über Bleistift
verso: Kohle und Tusche
auf leichtem sandfarbenem Karton; an den vier Ecken durch Klebestreifen unter Passepartout gesetzt
nicht datiert, recto: wohl um 1925-30; verso: wohl um 1925

€ 340,-

 

 

Passepartoutgrösse: 57×44,8cm
Blattgrösse: 49,8×31,9cm

nicht signiert; verso im unteren Blattbereich mittig (wenn man die Darstellung auf dem Kopf betrachtet) Stempel des Nachlassverwalters Erwin Grützbach mit dessen Unterschrift
nicht betitelt, recto: wohl Darstellung von Sylt; hierzu rechts unten vom Nachlassverwalter in Blei bez. „Sylt?“; verso: wohl Darstellung aus Messina (vgl. hierzu das Gemälde „Messina“ im WVZ (WERNER, Stefanie Kristina (2011):Erich Hartmann (1886-1974). Leben und Werk eines Hamburger Malers.(Diss.) [Katalog]; S. 27 [Nr. 66])]

 

Zustand
an den vier Ecken durch Klebestreifen unter Passepartout gesetzt; durchgehend Druckstellen; durchgehend (leicht) fleckig;
recto: im rechten Bildbereich mittig oberflächlich berieben mit leichtem Farbverlust; am Blattrand links mittig Einriss (Länge etwa 3,5cm; geht nicht in Bildteil über); rechts oberhalb des Bildteils oberflächlicher Papierabrieb; am rechten Blattrand oben zwei diagonale Quetschungen; am Blattrand unten mittig kleines Einstichloch
verso: etwas fleckig; Lagerspuren

 

 

 

Die rückseitige Darstellung dürfte eine Ansicht aus Messina zeigen. Erich Hartmann war Anfang der 1920er Jahren in Italien und erfuhr prägende Eindrücke während dieser Zeit. Zurückgekehrt nach Deutschland schuf er mehrere Arbeiten mit Bezug zu Italien, worunter auch das oben erwähnte Gemälde „Messina“ war. Eine Datierung dieser Zeichnung auf den Zeitraum um 1925 erscheint daher als wahrscheinlich. Die vorderseitige Zeichnung ist im Gegensatz dazu in einer bestechenden expressiven Dynamik ausgeführt, deren vitales Element die schäumenden Wellen sind. Im Hintergrund erkennt man klein auf dem Küstenstreifen einen Leuchtturm. Das hiermit Sylt dargestellt sein könnte, wie vom Nachlassverwalter angenommen, erscheint als sehr gut möglich. Erich Hartmann war mit seiner Familie ab Ende der Zwanzigerjahre bis Mitte der Dreißigerjahre auf Sylt, und konnte dort in dem Haus einer befreundeten Familie unterkommen (vgl. Werner (2011): 105 [Textband]). Während dieser Zeit könnte dann wohl auch die vorliegende Zeichnung entstanden sein, für die er seine etwas ältere Messina-Zeichnung ‚opferte‘. In beiden Fällen zeigt sich dem Betrachter die künstlerische Brillanz Erich Hartmanns aus einer der wohl spannendsten Schaffensphasen dieses Künstlers!

Zu Erich Hartmann (07.01.1886 Elberfeld – 23.09.1974 Sylt):
Bereits als Jugendlicher zeichnerisch tätig; 1903-06 Kunststudium an der Düsseldorfer Akademie (bei Prof. Eduard von Gebhardt); im Anschluss Studium an der Privatkunstschule Hermann Gröber (München); Sommer 1908 Studium bei Peter von Halm (erlernen des Radierens); bis 1909 tätig im Pariser Atelier Stettler beim Simon und Menard; 1909-11 freischaffend tätig in München, Dortmund, Paris; Reisen in Deutschland, nach Italien und Russland; Ausbildungende 1912 (Münchener Akademie); bis 1914 lebte er in Paris; Kriegseinsatz als Dolmetscher und Soldat; nach einer Verletzung kam er in ein Lazarett in Altona und blieb anschließend dort; März 1917 Heirat mit Ida Jenichen; finanzielle Not beherrschte die junge Familie; bis 1924 konnte Hartmann bei der Kaiverwaltung Hamburg dazu verdienen; 1922-44 Dozent an der privaten Kunstschule von Gerda Kopel; 1924 dreimonatiger Studiensaufenthalt in Italien; 1919 Beitritt zur Hamburgischen Sezession, dem Deutschen Künstlerbund und der Hamburgischen Künstlerschaft; 1925 Mitglied im Altonaer Künstlerverein; Hartmann engagierte sich kulturpolitisch; 1932 Unterstützung durch die Künstlernothilfe; 1933 wurden Wandbilder Hartmanns (von 1929) in der Mensa Neue Rabenstraße (Hamburg) vernichtet); 1934 Zuweisung eines Ateliers im Ohlendorffhaus; weitere vernichtete Wandbilder waren in den Turnhallen der Schulen in Fuhlsbüttel (von 1926) und in Horn (von 1931); Sommer 1934 Studienreise nach Norwegen; 1935 wurde ein Bild von Erich Hartmann acht Tage nach der Ausstellungseröffnung in der Hamburger Kunsthalle abgehängt; 1936 Studienreise nach Italien (mit Unterstützung der Amsinck-Stidtung); kein Kriegseinsatz; 1937 werden elf Arbeiten bei der Aktion -Entartete Kunst- beschlagnahmt; 1946-53 Professur an der Landeskunstschule Hamburg; 1955 Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg; Ehrenmitglied des BBK Hamburg

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Gallitz; S.180-183
WERNER, Stefanie Kristina (2011): Erich Hartmann (1886-1974). Leben und Werk eines Hamburger Malers. Mit einem Verzeichnis der Gemälde und der -Kunst am Bau- (Diss.)