E M I L   B E T Z L E R

 

Weitere Werke von Emil Betzler

 

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Wohl Portrait der Schauspielerin Gerda Müller (1894-1951)

schwarze Kreide, partiell Deckweiß auf gräulich-grünem Karton; am linken Rand durch zwei Klebestreifen unter Passepartout
u.r. datiert „9.1916“

Passepartoutgrösse: 40,1x32cm
Blattgrösse: 38,3×31,2cm

unten rechts signiert „E. Betzler“
nicht betitelt

€ 450,-

 

 

 

  

 

Zustand
Ecke rechts oben leicht bestoßen; verso Karton berieben; verso u.l. Sammlungsstempel und Nummerierung in Blei; auf PP unten rechts in Blei zwei Vermerke bzgl. früherer Sammlungen (die aber sicher nicht mit dem Betzler Blatt in Beziehung stehen, sondern sich vielmehr auf ein vormaliges Blatt in dem PP beziehen) „Slgen [Sammlungen] [Eduard] Cichorius (1908) / [Oskar] Huldschinsky (1931)“

 

 

Seit 1916 befand sich Emil Betzler, nach Kriegseinsatz und Verwundung, in Frankfurt am Main. Dort fand er in Kürze, u.a. durch den Frankfurter Künstlerbund, Kontakt zu modern ausgerichteten Künstlern. Zusammen mit Hanns Ludwig Katz und Gottfried Diehl trat Betzler im Herbst 1920 das erste Mal als Künstlergruppe „Ghat“ in die Öffentlichkeit. „Porträtsitzungen machen ihn mit bedeutenden Frankfurter Schauspielern bekannt, so mit Gerda Müller und Carl Ebert“ (Meyers, Hans (1968): Emil Betzler. Ein Beitrag zum Expressionismus; Metopen-Verlag; Frankfurt a.M.; S. 13). Die vorliegende Arbeit ist in diese frühe Schaffenszeit einzuordnen und entstand wohl kurz nach der Ankunft Betzlers in Frankfurt. Im Späteren wandte sich Betzler von der Portraitmalerei mehr und mehr ab. Die dargestellte Frau ist wohl als die genannte Schauspielerin Gerda Müller (30.07.1894 Tornienen (Ostpreußen) – 26.04.1951 Berlin) zu identifizieren. Seltenst!

 

 

Gerda Müller (30.07.1894 Tornienen (Ostpreußen) – 26.04.1951 Berlin)
Schauspielerin; Müller studierte an der Max-Reinhardt-Schule des Deutschen Theaters in Berlin (heute Schauspielhochschule „Ernst Busch“); 1917-1922 tätig am Schauspielhaus in Frankfurt am Main; u.a. spielte sie in der Uraufführung von Arnolt Bronnens Stück Vatermord; 1922 Wechsel zum renommierten Staatstheater Berlin zu Leopold Jessner; es folgten Rollen am Deutschen Theater (Berlin), am Lessingtheater (Berlin) und am Schillertheater (Berlin) unter bedeutenden Regisseuren wie Heinz Hilpert, Jürgen Fehling und Bertolt Brecht; 1927 Heirat mit dem Dirigenten Hermann Scherchen; bald darauf folgte bereits die Scheidung; Vorangegangen waren verschiedene Affären, u.a. mit Carl Zuckmayer, der Gerda Müller aufgrund ihrer Erscheinung als „litauische Wölfin“ bezeichnete; 1931 zweite Hochzeit mit dem damaligen Oberbürgermeister von Königsberg, Hans Lohmeyer; nach 1933 Lohmeyer wird durch die Nationalsozialisten seines Amtes enthoben; im Weiteren konnte Gerda Müller aufgrund ihrer Ehe zu Lohmeyer keine nennenswerten Erfolge an deutschen Theaterbühnen erzielen; durch ein schweres Lungenleiden zog sie sich ins Privatleben zurück; 1945 wieder Auftritte u.a. bei der Wiedereröffnung des Deutschen Theaters; bis zu ihrem Tod blieb sie schauspielerisch tätig und lehrte an der Hochschule für Schauspiel; 1946 Auftritt (Hörspiel) in Gerhart Hauptmann ,Agamemnons Tod (Klytämnestra)´ unter Leitung des Regisseurs Hanns Korngiebel (Drahtfunk Berlin); 1950 Auftritt (Hörspiel) in Jacques Roumain ,Herr über den Tau´ unter Leitung des Regisseurs Hanns Farenburg (Berliner Rundfunk); 1951 Nationalpreis der DDR für ihre Darstellung der Brecht’schen Mutter Courage

Literatur
ZUCKMAYER, Carl: Geheimreport, München 2004
Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010

 

 

Zu Emil Betzler (26.07.1892 Kamen (Westf.) – 01.10.1974 Frankfurt a.M.):
1910-12 Studium an der Kunstgewerbeschule Elberfeld; 1912-14 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (Prüfung für das künstlerische Lehramt); 1914-15 Kriegsdienst (1915 mehrere Operationen aufgrund Fußverletzung); ab 1916 Lehrtätigkeit in Frankfurt a.M.; 1917 Veröffentlichung der Mappe „Christus-Passion“; ab 1919 Mitglied im „Frankfurter Künstlerbund“; 1919 Heirat mit Anna Holtschmidt; 1919 erste große Gruppenausstellung in der Galerie M. Goldschmidt; 1920 Gründung der Künstlergruppe „Ghat“ (mit Hanns Ludwig Katz, Gottfried Diehl und dem Galeristen Herbert Cramer); 1920er Jahre zahlreiche Reisen nach Italien, Frankreich, Österreich, Niederlande; 1924 Amputation des linken Unterschenkels; 1925 Bekanntschaft mit Max Beckmann; 1926 Ernennung zum Studienrat der Liebig-Oberrealschule (Frankfurt a.M.); ab 1930 Fachberatrer für Kunsterziehung an Hochschulen; 1933 Anklage wegen „bolschewistischer Zersetzung“; Verlust der Ämter, Rückzug ins Private; 1937 im Laufe der Aktion „Entartete Kunst“ werden zwei Arbeiten beschlagnahmt; nach 1945 wieder rege Ausstellungstätigkeit, zudem tätig als Kunsterzieher; 1967 Bundesverdienstkreuz

Literatur
Expressionismus im Rhein-Main-Gebiet. Künstler-Händler-Sammler; Museum Giersch; 2011; S. 388
MEYERS, Hans (1968): Emil Betzler. Ein Beitrag zum Expressionismus; Metopen-Verlag; Frankfurt a.M.