C U R T   W I T T E

Weitere Werke von Curt Witte

Curt Witte: Weibliche Figuren

 

Antikisierende, italienische Küstenszene mit zwei teils entblößten weiblichen Figuren zwischen Säulen

Öl auf Holzplatte, gerahmt
nicht datiert, um 1932-35, u.l. lokalisiert „Florenz“

Rahmengrösse: 110,3×92,1cm
Plattengrösse: 93x75cm

u.l. signiert „Curt Witte“
nicht betitelt

€ 7.800,-

 

 

 

Zustand
im oberen Randbereich links und rechts kleine Löchlein; im Eckbereich o.r. (am Rand der dunklen Säule) oberflächlich leicht berieben mit minimalem Verlust der Farbschicht; am rechten Rand mittig drei kleine Löchlein, sowie am linken Rand ein kleines Löchlein; im Bereich u.l. (am Fuß der Säule) schwache Craquelé-Bildung; in der Bildmitte (etwa bei der Brust der linken Figur) Platte mit leichtem (wohl genuinem, da eingefärbt) Materialverlust; Plattenränder mitunter etwas berieben; verso durchgehend kleine Löchlein (nicht mehr aktiver Holzwurm); verso mittig Anfänge einer Rötelskizze; verso im rechten Bereich etwas fleckig; verso o.l. in Schwarz bez. „C.v.Bracke“[?], sowie darunter in Rot nummer. „1“ und verso o.r. in Schwarz auf aufgeklebtem Zettel nummer. „135“

 

 

                                   

 

 

Es liegt ein Zertifikat des „Art Loss Register“ (London) vor, wonach das vorliegende Werk nicht in den dortigen Datenbanken als fehlend bzw. gestohlen verzeichnet ist.

 

 

Nach einer anfänglichen bildhauerischen Ausrichtung, wendet sich Curt Witte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Malerei zu. Ab 1906 stellen sich bereits erste Erfolge auf Ausstellungen ein und 1912 wird er von Hans Olde als pädagogische Hilfskraft an die Kunstakademie Kassel gerufen. 1916 erfolgt die Ernennung zum Professor und von 1925 bis zur Schließung der Akademie 1932, aufgrund der 2. Preußischen Notverordnung, war er deren Direktor. Als Ausgleich für den Verlust der Direktorenstelle wurde Witte die Leitung der Villa Romana in Florenz angetragen. „Curt Witte war verheiratet mit der Tochter des Geheimen Sanitätsrats und Ehrenbürgers der Stadt Osnabrück, Dr. Siegfried Pelz. Seine Ehe, seine Existenz, sein Beruf wurden im Dritten Reich durch die Nürnberger Gesetze, da seine Frau jüdischer Abstammung war, bedroht. Er mußte sein Amt aufgeben, wurde in den Ruhestand versetzt, zog mit seiner Familie nach Hannover-Buchholz, wo er am 1. November 1959 verstarb“ (Walter Borchers (Text) (1964): Curt und Clara Witte ein Osnabrücker Künstlerehepaar [Katalog zur Ausstellung vom 16. Februar bis 1. Mai 1964; hrsg. v. Städtisches Museum Osnabrück]; Meinders & Elstermann; S. 5-10 [hier: 5f.]).
Das vorliegende, großformatige Werk ist zwar undatiert, jedoch mit „Florenz“ bezeichnet, so dass man als Entstehungszeitraum Wittes beschriebene Tätigkeit an der dortigen „Villa Romana“ (1932-35) annehmen darf. Nach Walter Borchers lässt sich im Schaffen Wittes „ein Streben nach neuen Ausdruckswerten und -formen [beobachten], ein fast antikisches Lebensgefühl strahlt aus einigen Bildern […]“ (ebd., S. 7). Und als trefflich für das vorliegende Gemälde können die Worte Borchers angesehen werden, mit denen dieser Wittes Zeit in Florenz beschreibt: „In Italien beobachten wir ein neues Element in seinem Bildschaffen. Der südliche Himmel mit seiner Leuchtkraft läßt Bilder entstehen mit stark abstrahierten Formen- und Farbwerten, mit einer Vorliebe zum Geometrischen, Kubischen hin zur starken Aufhellung der Farbpalette“ (ebd.).
Meisterhafte Komposition!

 

 

Zu Curt Witte (07.09.1882 Schlüsselburg an der Weser – 01.11.1959 Hannover):
Maler; sein Vater war der Hotelier Heinrich Witte, Besitzer des Osnabrücker Centralhotels; Besuch des Ratsgymnasiums in Osnabrück; Besuch der Kunstakademien München und Berlin; ab 1902 Besuch der Kunstakademie Karlsruhe (bei Ludwig Schmid-Reutte); Studium der Bildhauerei bei Artur Volkmann in Rom; Witte wendete sich im Folgenden der Malerei zu; ab etwa 1906 Beteiligungen an zahlreichen Ausstellungen; 1911-12 Aufenthalt in Worpswede und Fischerhude; 1912 wurde er von Hans Olde als pädagogische Hilfskraft an die Kunstakademie Kassel gerufen; 1912 Heirat mit der Künstlerin Clara Pelz (1886-1956) verheiratet, Tochter des Osnabrücker Ehrenbürgers und Geheimen Sanitätsrates Dr. Siegfried Pelz; 1916 Ernennung zum Professor; im Ersten Weltkrieg Einsatz als Unteroffizier bei einer Fliegerabteilung; 1925-32 Direktor der Kunstakademie Kassel; 1932 wurde die Kunstakademie Kassel geschlossen und Witte übernahm fortan die Leitung der „Villa Romana“ in Florenz; 1935 wurde er, aufgrund der jüdischen Abstammung seiner Frau, von seinem Posten bei der „Villa Romana“ entlassen; die Familie verzog nach Hannover-Buchholz; 1964 Gedächtnisausstellung „Curt und Clara Witte ein Osnabrücker Künstlerehepaar“ (Städtisches Museum Osnabrück)

Literatur
Städtisches Museum Osnabrück (1964): Curt und Clara Witte ein Osnabrücker Künstlerehepaar [Katalog zur Ausstellung vom 16. Februar bis 1. Mai 1964]; Meinders & Elstermann
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 462