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Stillleben mit üppigem Blumenstrauß und Obst

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [Originalrahmen],
nicht datiert, (wohl) um 1937

o.l. etwas farbschwach in Schwarz signiert „Lauterbach“, sowie verso auf Keilrahmen o.l. nochmals in Schwarz signiert „Lauterbach Df“
nicht betitelt, Stillleben mit üppigem Blumenstrauß und Obst

€ 2.400,-

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Grösse
Rahmengrösse: 66×76,5cm
Leinwandgrösse: 50,3×60,5cm

Zustand
partiell etwas beschmutzt; in den Randbereichen rahmungsbedingt etwas berieben; im Eckbereich o.l. vereinzelt kleine oberflächliche Farbverluste; im Eckbereich u.r. vereinzelt kleine oberflächliche Farbverluste; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (am linken Rand oben kleiner Abplatzer, am oberen Rand mittig etwas berieben); verso Keilrahmen und Rahmen mit mehreren Bezeichnungen / Nummerierungen („4766“ (weiß), „KH14“ (schwarz), „N727“ (rot, aber schwarz durchgestrichen)); zusätzlich Rahmen oben nummer. „788“ (schwarz), zweifach bez. „Feuerwehr“, sowie o.l. und o.r. undeutlich/unkenntlich in Blei bez.

 

 

Es liegt ein Zertifikat des „Art Loss Register“ (London) vor, wonach das vorliegende Werk nicht in den dortigen Datenbanken als fehlend bzw. gestohlen verzeichnet ist.

 

 

„In der NS-Zeit sucht Carl Lauterbach materiell durch Künstlerarbeiten, wie etwa Blumenstilleben zu überleben. […] Welche Schmach es für einen an sozialen Bildthemen interessierten Künstler bedeutet haben mag, solche Werke in einem Staat, der eine völkische, von ‚Blut und Boden‘ geleitete Kunst forderte, für die Öffentlichkeit zu schaffen, ist heute aus der historischen Distanz, wohl kaum zu ermessen. Carl Lauterbach nahm bis in die vierziger Jahre hinein an den offiziellen Kunstausstellungen in Düsseldorf und im Rheinland teil. Doch er gehörte nicht zu denen, die künstlerische Arbeit als ideologische Dienstleistung für das NS-Regime verstanden. Welche Not es für ihn bedeutete, sich im öffentlichen Kunstleben dieser Zeit zu bewegen und gleichzeitig seine hohen Vorstellungen der Humanität aufrechtzuerhalten, auf den naturgemäßen Widerspruch zwischen noblem Wollen und dem Zwang der damaligen Umstände, darauf hat Carl Lauterbach immer wieder hingewiesen“ (Werner Alberg (1994): Carl Lauterbach. Maler und Sammler; Düsseldorf: Eigenverlag Ruth Lauterbach; S. 38f.).
Das vorliegende, obgleich undatierte Stillleben, wird in diese signifikante Schaffensphase Carl Lauterbachs einzuordnen sein. (Die Abbildung eines beinahe gleich großen, vergleichbar ruhigen Magnolien-Stilllebens aus jener Zeit findet sich in: ebd.; S. 38.)
Vor einem diffus gehaltenen, bräunlichen Hintergrund hat der Künstler sein Arrangement aus Blumen und Obst platziert. Der Untergrund geht farblich ohne größere Abweichungen in den Hintergrund über, so dass das nuancenreiche Braun mehr wie ein Einfang der Stimmung und Atmosphäre, und nicht wie die Wiedergabe einer bestimmten Räumlichkeit erscheint. Mittig steht eine blaue, weiß gepunktete Vase in der sich ein überaus üppiger Strauß aus u.a. Chrysanthemen befindet. Das Blau des Gefäßes hebt sich zurückhaltend, wie zugleich auch angenehm aus der Komposition ab und verleiht dem Ganzen eine gewisse Ruhe. Etwas vor der Vase sind zwei grünliche Äpfel, sowie eine leicht orangefarbige Melone angeordnet. Besonders bei der farblichen Umsetzung des Straußes lassen sich impressionistische Anklänge erkennen. Es ist ein Spiel mit dem Licht und den sich dadurch verändernden Farben, was das Grün der Stängel und Blätter, zusammen mit den matt kolorierten Blüten, wie den Ausschnitt einer Blumenwiese wirken lässt. Es gibt farbliche Überlagerungen, Vermengungen und viele Blüten sind im hinteren Bereich nur schwach angedeutet noch zu erkennen.
Farblich eine sehr schöne, harmonische Komposition, die gerade aus den oben angeführten Zeitumständen nicht zu dem ‚üblichen‘ Schaffen Carl Lauterbachs gerechnet werden kann.

 

 

Zu Carl Lauterbach (21.11.1906 Burscheid – 27.06.1991 Düsseldorf):
Maler, Zeichner, Grafiker, Kunstsammler; 1912-16 Volksschule in Burscheid; 1917-20 Rektoratsschule in Burscheid; 1921-22 Realgymnasium in Opladen; 1923-24 Oberrealschule in Remscheid; 1924-30 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf (zuletzt Meisterschüler von Heinrich Nauen (1928-30); ab 1925 Mitglied bei „Das junge Rheinland“; im Freundkreis von Johanna Ey und Bekanntschaft mit u.a. Otto Pankok, Gert H. Wollheim, Karl Schwesig, Julo Levin, Matthias Barz; ab 1927 Mitglied des „Weltbühnen-Leserkreises“; 1928 Mitbegründer der „Rheinischen Sezession“ (bis zu deren Verbot 1938); 1927 Reise nach Paris; 1928 Aufenthalte in München, Berlin Brüssel; Juni/Juli 1929 Aufenthalte in Amsterdam und Haarlem; 1930 Mitglied der ASSO (Ortsgruppe Düsseldorf); 1930 Dürer-Preis der Stadt Nürnberg; Herbst 1930 Heirat mit Grete Denecke; 1930-31 Studienaufenthalt in Paris; um 1930/31 beeinflusst durch den Parisaufenthalt verstärkte Hinwendung zu sozialen Themen und sein hauptarbeitsgebiet wird das zeichnerisch-grafische Schaffen; 1933 Haussuchung und Beschlagnahme von Werken aus seinem Atelier; 1935 Beteiligung an der „Weihnachts-Verkaufsausstellung Düsseldorfer Künstler“ (Städtische Kunsthalle, Düsseldorf); 1937 Beteiligung an der „Großen Kunstausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1937 Beteiligung an der „105. Großen Frühjahrsausstellung“ (Künstlerhaus Hannover); 1937 werden bei der Aktion „Entartete Kunst“ zwölf Werke Lauterbachs beschlagnahmt; zur Sicherung des Lebensunterhalts malte er Stillleben und Porträts, daneben entstanden im Geheimen (antifaschistische) Zeichnungen von Verfolgten und er legt eine Dokumentensammlung an, die sich heute im Stadtmuseum Düsseldorf befindet; 1938 Beteiligung an der „Kunstausstellung Düsseldorf“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1938-41 Beteiligungen an der „Herbstausstellung Düsseldorfer Künstler“ (Kunsthalle Düsseldorf); 1940 Beteiligungen an der „Kunstausstellung für Soldaten. Zeitgenössische Künstler stellen aus“; 1940 zum Kriegsdienst eingezogen, aber kurz danach als untauglich entlassen; 1942 Beteiligung an der „Frühjahrsausstellung Düsseldorfer Künstler“ (Kunsthalle Düsseldorf); 01.08.1942 Zerstörung des Düsseldorfer Ateliers durch Bombenangriff, in dessen Folge Lauterbach einen Teil seiner Werke und auch seines persönlichen Besitzes in der Düsseldorfer Kunsthalle vom Hausmeisterehepaar Himmelreich verwahren ließ (bei einem Großbrand am 11.09.1942 kam es auch dabei zu erheblichen Verlusten); 1943 Beteiligung an der Ausstellung „Westdeutsche Künstler – Münchner Zeichner“ (Städtische Galerie München); 1945 Mitarbeit im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands; 1947 Einzelausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf; ab 1948 Tod der Ehefrau Grete, eine kurz danach erfolgte zweite Ehe scheitert nach kurzer Zeit; 1948 bis zu seinem Tod baut er die Dokumentensammlung / das Archiv Lauterbach auf; 1958 Heirat mit Ruth Baehnisch; 1966 übernimmt die Stadt Köln einen Teil der Sammlung von Lauterbach; 1972 Verleihung des Bundesverdienstordens am Bande; 1976-85 Vorsitzender der Otto-Pankok-Gesellschaft; 1981, 1985, 1991 Beteiligungen an Ausstellungen in der Kunsthalle Düsseldorf; 1984 Beteiligung an der Ausstellung „Johanna Ey und ihr Künstlerkreis“ (Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf); 1986 Verleihung der „Plakette der Stadt Düsseldorf“; 1989 Verleihung des „Rheinlandtalers“; 1990 Verleihung der „Gebrüder-Jacobi-Plakette“; 1992 benennt die Stadt Burscheid eine Straße nach ihm; 1995 richtet die Witwe des Künstlers die „Carl und Ruth Lauterbach“-Stiftung ein; 1994 erscheint die umfangreiche Monografie von Werner Alberg (damals Archivleiter des Lauterbach-Archivs im Stadtmuseum Düsseldorf), der sich jedoch im Frühjahr 2012 von seiner damaligen biografischen Darstellung distanziert (eine ebensolche Erklärung gibt das Stadtmuseum Düsseldorf im Februar 2012 ab); 2011 Beteiligung an der Ausstellung „Zwischen Bedrängnis und Widerstand“ (Wittenberg);

Literatur
ALBERG, Werner (1994): Carl Lauterbach. Maler und Sammler; Düsseldorf: Eigenverlag Ruth Lauterbach
GRUBER, Gerd: Lauterbach, Carl, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00216986
JESSEWITSCH, Rolf / SCHNEIDER, Gerhard (Hrsg.) (2008): Entdeckte Moderne; Bönen: Kettler; S. 499
MEISTER, Helga: Carl Lauterbach. Mitläufer oder Widerständler?, in: Westdeutsche Zeitung (v. 03.05.2012)
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 407
Stadtmuseum Düsseldorf (Hrsg.) (1981): Carl Lauterbach. Gemälde Grafik Dokumente; Düsseldorf