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Arthur Grimm: Blumenstillleben (Großbild)

 

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Arthur Grimm: Blumenstillleben

 

Stillleben mit Feld-, Wildblumen in einer Vase

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [(wohl) Originalrahmen];
u.r. in Schwarz etwas undeutlich datiert (wohl) „1930“

Rahmengrösse: 59,4×54,5cm
Leinwandgrösse: 49,8×44,8cm

u.r. in Schwarz signiert „Arthur Grimm“
nicht betitelt

€ 2.500,-

 

 

                            

 

Zustand
partiell sehr leicht fleckig; in den Randbereichen sehr schwache Druckstellen durch hinterliegenden Keilrahmen; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (an Ecken/Kanten etwas berieben)

Provenienz
1) rückseitig auf Rahmen u.l. Etikett mit (nicht identifizierter) maschinenschriftl. Bezeichnung „Gemälde (Vase mit Blumen) gemalt von Arthur Grimm, Mudau/Odenwald 1931 gemalt und gekauft im selben Jahr. Besitzer: Conrad Krueger“; weiterhin auf Keilrahmen o.l. und u.r. Besitzervermerke auf „C. Krueger“ bzw. „Sr. Krueger“
2) 14. Mai 2011, Winterberg, Heidelberg, Auktion [Auktion 82], Los 801

 

 

Die Zeit um 1929 und 1931 wird man ohne übertreiben bzw. dramatisieren zu wollen, als eine Umbruchphase im Leben Arthur Grimms bezeichnen können. So hatte er 1928 zur Veröffentlichung seines Buchs „Baden-Baden in hundert Zeichnungen“ einen Selbstkostenbeitrag von 15.000,- Mark geleistet, den er hoffte durch folgende Verkäufe wieder abdecken zu können. Doch nach anfänglichen guten Anläufen, kam die Nachfrage ins Stocken und noch 1930 „stand“ [das] Damoklesschwert einer Schuld von mehreren tausend Mark drohend über mir“ (Gemeinde Mudau (Hrsg.) (1983): Arthur Grimm. Erlebnisse und Betrachtungen eines Malers; Druckerei Odenwälder; Buchen; S. 106). Zudem kam es zwischen ihm und seiner 1913 angetrauten Frau Stephanie Brenner in dieser Zeit zu einer ehelichen Gütertrennung, auf welche 1931 die endgültige Trennung von Frau und den drei gemeinsamen Kindern folgte. Wirtschaftlich zwang diese Gütertrennung Grimm oftmals zu niedrigen Verkaufspreisen seiner Gemälde, um wenigstens hierdurch ein Einkommen zu erhalten. Persönlich zog sich der Maler mehr und mehr in die Einsamkeit zurück. „Ich verwarf die Einsamkeit nicht in bitteren Stunden – ich suchte sie. Ich mied die Menschen“ (ebd.; S. 111). Erholsame Odenwald-Aufenthalte in dieser Lebensphase brachten ihn dazu sein Atelier in Baden-Baden aufzugeben, um schließlich 1932 ganz in seine Heimatgemeinde Mudau zurückzukehren.
Wie prägend insbesondere die Trennung von seiner Familie für ihn sein musste, lässt sich anhand der folgenden überaus ruhigen, reflektierten Worte Grimms erahnen: „Die Kunst, die mich ganz einnahm, die Not, die ich zu meistern hatte, das Familienleben, das ich entbehren mußte, es waren bald die Quellen neuer Kraft und tiefen Erlebens der Natur. Es ist unmöglich, fünfzehn Jahre glücklichen Familienlebens mit einer Frau und drei Kindern aus seinem Leben wegzudenken. Die innere Verbundenheit blieb bei der örtlichen Trennung bestehen. In Haß zu leben ist schändlich und trennend. Hier war es die Heimat, die mir geholfen hat, das schier Untragbare auszugleichen und sich allmählich von einer schweren Gemütslast frei zu machen“ (ebd.; S. 112).
Das vorliegende, wohl auf 1930 datierte Gemälde ist in diese Lebensphase einzuordnen. Der rückseitige alte Besitzervermerk, wonach das Gemälde 1931 gemalt worden sein soll, erscheint aufgrund der – wenn auch etwas undeutlichen – Datierung als nicht ganz korrekt. Grimm malte zeitlebens Stillleben und explizit in den hier beschriebenen Jahren entstanden mehrere Stillleben und Blumenbilder (vgl. hierzu ebd.; S. 107, 109).
Auf einer braunen Tischplatte arrangiert der Maler eine bauchige cremefarbige Vase mit einem Blumenstrauß. Die Wand im Hintergrund ist in einem sich zur rechten Seite hin leicht verdunkelnden Ockerton gehalten, so dass das ‚Umfeld‘ der Blumen im Ganzen einen tonigen Farbklang vermittelt. Von diesem ruhigen Kolorit heben sich die verschiedenen Feld- und Wildblumen in ihrer Farbigkeit dezent, aber doch auch deutlich ab. Neben Margeritten, Schafgarbe, Vergissmeinnicht findet man zahlreiche weitere Pflanzen, die in ihrer dargestellten Natürlichkeit ganz so wirken, als hätte sie der Künstler selbst auf einem Spaziergang gesammelt und in sein Atelier gestellt.
Wunderschönes, überaus einfühlsam gemaltes Stillleben Arthur Grimms!

 

 

Zu Arthur Grimm (11.02.1883 Mudau – 23.02.1948 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker; ab 1889 Besuch der Volksschule Mudau (Grimms Vater unterrichtete hier); 1899 bestandene Aufnahmeprüfung für das „Großherzoglich Badische Lehrerseminar II“ (als Prüfungsbester); ab Ostern 1899 Besuch des Lehrerseminars; ab 08.04.1902 erste Anstellung als Unterlehrer in Heitersheim; 1902-05 freiwillige Beurlaubung; ab Oktober 1902 Besuch der Kunstgewerbeschule Karlsruhe (bei Hermann Burte); 1905 Zeichenlehrerexamen und Anstellung an der Großherzogl.-Bad. Realschule (Waldshut); 1905 erster Bilderverkauf; Herbst 1906 Versetzung an die Städt. Gewerbeschule Karlsruhe; 1906 Gasthörer an Kunstakademie Karlsruhe; 1907 freiwilliges Ausscheiden aus dem Staatsdienst und Beginn des Kunststudiums (Zeichenklasse bei Ludwig Schmid-Reutte); Aufnahme in die Meisterklasse von Wilhelm Trübner; 1908 Studienreise nach Paris (Bekanntschaft mit u.a. Rudolf Grossmann, Hans Purrmann); 1910 Preis der Rheinlande für das Gemälde „Säckingen am Oberrhein“; 1911 Studienreise durch die Schweiz; ab Oktober 1911 Militärjahr beim badischen Feldatellerie Regiment Nr. 50 in Karlsruhe; 1913 Heirat mit Stephanie Brenner; Umzug nach Baden-Baden; 1913-14 Studienreise nach Paris; 1914 Kriegseinsatz; 1915-22 war Schloss Sennfeld Wohnsitz der Familie; 1923 Villa Thur (Baden-Baden) wird neuer Wohnsitz; 1925 Reise durch Italien; Herbst 1927 Reise durch Südfrankreich; 1928 Veröffentlichungen von „Baden-Baden in hundert Zeichnungen“; 1930 eheliche Gütertrennung; 1931 Trennung der Ehe; 1932 Rückkehr nach Mudau; 1932 Badischer Staatspreis für das Gemälde „Schloß Neuweier“; ab 1934 wohnhaft im neuerbauten Waldhaus in Mudau; 16.03.1934 Ehrenbürger Mudaus; 1937 Studienreise nach Norddeutschland; 1945 amerikanische Internierung in Heilbronn und Bad Mergentheim; 1946 kurzzeitiger Umzug nach Schloßau zu seiner Schwester, da in Mudau sein Atelier ausgeräumt und sein Haus beschlagnahmt wurde

Literatur
MÜLFARTH, Leo (1987): Kleines Lexikon Karlsruher Maler; Badenia-Verlag; Karlsruhe; S. 165
SIEBER, Michael (1980): Die Hollerbacher Malerkolonie; Druckerei Odenwälder; Buchen; S. 48-55
SIEBER, Michael (Hrsg.) (1983): Arthur Grimm 1883-1948. Gemälde und graphische Arbeiten (Katalog zur Ausstellung in Mudau aus Anlaß des 100. Geburtstages vom 22. Juli bis 21. August 1983)
Gemeinde Mudau (Hrsg.) (1983): Arthur Grimm. Erlebnisse und Betrachtungen eines Malers; Druckerei Odenwälder; Buchen
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (Hrsg.) (1981): Kunst in Karlsruhe 1900-1950; C.F. Müller; Karlsruhe; S. 152-153