A N N A   B A B E T T E   C O N R A D Y – E R K E S

anna-babette-conrady-erkes-groß
Zum Themenflyer ‚Die Kunst des Alterns‘

 

 

conrady-erkes

 

Älterer Rabbi mit kleinwüchsigem Mann

Bleistift und Kohle auf Papier; an den vier Ecken durch Künstlerin montiert in Klapppassepartout [Montierung links unten gelöst];
unten rechts in Blei datiert „[19]27“

unten rechts in Blei monogrammiert „A.B.C.“; unten rechts im Passepartout gewidmet mit abschließender Signatur „Anna-Babette Conrady-Erkes“
nicht betitelt

€ 1.200,-

 

 

                  

 

Passepartoutgrösse: 33,7×49,9cm
Blattgrösse: 27,4×23,5cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 21,3×21,5cm

Zustand
an den vier Ecken durch Künstlerin montiert in Klapppassepartout [Montierung links unten gelöst]; Blatt am oberen Rand leicht nachgedunkelt; partiell leichte Druckstellen; Passepartout an Ecken/Rändern mit leichten Gebrauchsspuren; PP am Ausschnitt mit leichtem Einriss; im PP u.r. in Blei nummeriert & bez. [?]; auf PP r.u. in Blei nummer.

 

Widmung in Blei im Passepartout unterhalb der Zeichnung: „Lieber Herr Professor, zu Weihnachten 1930, überreiche und verehre ich Ihnen auf das dankbarste eine meiner Zeichnungen. Ihre Anna-Babette Conrady-Erkes“— Unter Umständen handelt es sich bei dem hier genannten Professor um den Biologen Hans Driesch (1867-1941), von dem die Künstlerin auch ein Linolschnitt-Portrait erstellte (ein Exemplar im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig (Inv.Nr. E 11a)).

Vor einem unruhigen, in schwarz-grauen Balken gehaltenen Hintergrund erheben sich zwei Personen. Es dürfte sich hierbei wohl um einen älteren Juden (einen Rabbi?) und einen kleinwüchsigen Mann handeln. Die Körper erscheinen jeweils einfarbig, monoton, kühl – bis auf die Hände und die Köpfe, welche bei beiden Personen fein und detailliert herausgearbeitet wurden. Sehnig, (über-)lang und hager wirken die Hände, wobei die linke Hand der kleinwüchsigen Person schon schwach zu Boden hängt. Direkt wird der Betrachter fixiert von Beiden, so dass man nicht daran vorbeikommt sich mit den Gesichtszügen und den möglicherweise dahinter stehenden Schicksalen zu befassen.
Meisterhafte expressiv-realistische Komposition zweier idealtypisch dargestellter Randfiguren der damaligen Gesellschaft. Trotz der hohen Qualität ihrer Arbeiten ist Anna Babette Conrady-Erkes bis heute eine beinahe unbekannte Künstlerin geblieben. Arbeiten von ihr finden sich nur äußerst selten!

 

 

Zu Anna Babette Conrady-Erkes (29.10.1894 – Todesdatum unbek.):
Leipziger Malerin, Zeichnerin, Graphikerin; Tochter des Sinologen August Conrady (1864-1925); 1916 Heirat mit dem Sinologen Eduard Erkes (1891-1958); 1920 Veröffentlichung von „Teneriffa oder Sonnenspitze“ (Leipzig); 1947 Zeichnungen für „China und Europa: Kontrast und Ausgleich zweier Weltkulturen“ (von Eduard Erkes)

Literatur
LEWIN, Günter (1979): Fortschrittliche Traditionen der Sinologie an der Leipziger Universität, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl Marx Universität Leipzig [Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe] (28. Jg./Heft 1); Leipzig; S. 15-32 [hier: 23] Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.) (1956): Neue deutsche Biographie (Bd. Bürklein-Ditmar); Duncker & Humblot; S. 341