A M A N D U S   G O E T Z E L L

 

 

 

„Bäuerin“

Öl auf Holzplatte, gerahmt [Originalrahmen];
nicht datiert, (wohl) um 1943-44

Rahmengrösse: 90x68cm
Plattengrösse: 72,5x51cm

u.r. signiert „Goetzell“, sowie verso auf dem Rahmen o.m. bez. „Amandus Goetzell, Pforzheim“, sowie ebenso nochmals bez. verso mittig
verso o.l. in Schwarz betitelt „Bäuerin“

€ 1.100,-

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Zustand
partiell leicht fleckig; verso Platte leicht berieben; verso o.r. in Rot, sowie u.r. in Schwarz frühere Preisangaben; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, leicht beschmutzt, an wenigen Stellen kleine Abplatzer)

Ausstellung
eingeliefert (aber ausjuriert) für: Juli 1944 „bis auf weiteres“, „Große Deutsche Kunstausstellung“, München [„Haus der deutschen Kunst“] [hierzu verso o.r. (teilweise abgerissenes) Einlieferungsetikett mit Nummerierungseinträgen zum Jurybuch, Kiste und Stoß, die Kistennummer o.l. nochmals groß in Schwarz]

 

 

Der aus Ludwigshafen stammende Amandus Goetzell war nach seiner künstlerischen Ausbildung in München und Karlsruhe vornehmlich in Pforzheim ansässig und tätig. Ab 1912 hatte er an der dortigen Kunstgewerbeschule ein Lehramt inne, welches er bis 1954 begleitete. Neben diesem war er stets künstlerisch aktiv und es entstanden Porträts, Landschaften, sowie im Späteren auch christliche Motive.
Aufgrund der durch das rückseitige Etikett ersichtlichen Einlieferung zur „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im Jahr 1944 lässt sich für das vorliegende Gemälde ein Entstehungszeitraum um 1943-44 annehmen. Goetzell war zu dieser Zeit bereits voll etabliert. – In seinem Pforzheimer Lehramt war er seit mehr als 30 Jahren aktiv, er war auf zahlreichen überregionalen Ausstellungen vertreten und explizit bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ konnte er 1939 und 1941 insgesamt neun Aquarelle platzieren.
Die titelgebende ‚Bäuerin‘ wird von Goetzell fast zentral in den Ausschnitt einer nicht näher lokalisierbaren Landschaft gestellt. Die Person ist etwas an den rechten Rand gerückt, wobei der Übergang zu dem im Rücken der Dargestellten liegenden Land durch den dünnen, zart in Grün stehenden Baum vermittelt wird. Zugleich weitet sich dadurch der Raum zur Linken, so dass der freie Blick tief in das Bild über die Wiese und das Wasser gehen kann. Die Bäuerin selbst scheint in ihrer Feldarbeit innezuhalten. Sie stützt sich auf ihr Arbeitsgerät und blickt in die Ferne. Als kleines kompositorisches, wie auch farbliches Detail setzt Goetzell einen Krug an den unteren rechten Bildrand.
Unweigerlich mag man bei der ruhig flächigen Darstellungsweise, wie auch der tonigen, zurückhaltenden Farbgebung an Karl Hofer denken, was zwangsläufig ebenso den damaligen Zeitgenossen auffiel und Goetzell auch negative Kommentare einbrachte (so Dankmar Trier im „Allgemeinen Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00079346). Gerade bei dem anonymisierten, neusachlich kühlen Gesicht der Frau könnten sich auch Bezüge zu Werner Berg zeigen. Unter Umständen mag man in dieser Stilistik einen Grund für die Ausjurierung des Werkes bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1944 sehen, doch könnte neben diesem werkspeziellen auch ein allgemeiner Aspekt (Mit-)Ursache gewesen sein. Demnach nahm bei den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ mit Beginn und Verlauf des Krieges der Anteil an Kunstwerken mit Kriegsthematik deutlich zu, wogegen die zuvor noch stärker vertreten Arbeiten mit u.a. bäuerlichen, wirtschaftlich-industriellen Motiven zurücktraten (vgl. hierzu: Martin Papenbrock / Gabriele Saure (Hrsg.) (2000): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen [Teil I. Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit]; Weimar: VDG; S.35ff), so dass unter Umständen diese stimmungsvolle „Bäuerin“ von Amandus Goetzell für die damalige Ausstellungsleitung als nicht zeitgemäß bzw. zeitnotwendig erachtet wurde.

 

 

Große Deutsche Kunstausstellung
In den Jahren 1939 und 1941 beteiligte sich Goetzell mit insgesamt neun Aquarellen an den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im „Haus der Deutschen Kunst“ (München).
1939: „Bahnübergang“, erworben für 350 RM von der Reichskanzlei (Berlin)
1939: „Weide“
1939: „Bahngleise“
1939: „Durchblick“
1939: „Kleiner Hafen“
1939: „Fischerhafen“
1939: „Baumgruppe“
1941: „Blumenstrauß“, erworben für 250 RM von Privat
1941: „Sonnenblumen“, erworben für 250 RM von Privat

 

 

Zu Amandus Goetzell (14.01.1889 Ludwigshafen – 14.04.1970 Pforzheim):
Maler, Zeichner, Grafiker, Illustrator; Sohn von Jakob Anton und dessen Frau Margarethe, geb. Dreyer; Studium an der Technischen Hochschule München; ab 1907 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei Ludwig Schmid-Reutte und Friedrich Fehr); 1910, 1912 Italienreisen; 1912-54 tätig als Lehrer an der Kunstgewerbeschule Pforzheim; 27.05.1914 Heirat mit Irma Karolina Maria Neumann (geb. 28.11.1884 Freiburg); 1919 Illustrationen für E.T.A. Hoffmanns „Abenteuer einer Silvesternacht“ (Insel-Verlag); 1922 Dritter Preis innerhalb der badischen Ausstellungsgegenstände bei der Deutschen Gewerbeschau Karlsruhe; 1923 dort Einrichtung einer Klasse für Guillochieren; 1934-45 Vertrauensmann beim Sicherheitsdienst; 1949-70 künstlerischer Leiter und Ehrenobermeister der „Zunft Turm“ (Pforzheim); neben der Lehrertätigkeit malte Goetzell vor allem Porträts (u.a. von Major von Richthofen (Berlin), Senator Dr. Schramm (Hamburg), Dr. Bissinger (Pforzheim)), Landschaften, Stillleben, sowie christliche Motive; zu seinen Schülern zählen u.a. Otto Konrad, der Verleger Hans Schöner

Ausstellungen (Auswahl)
1918, 1934-37 Beteiligungen an der „Ständigen Kunstausstellung Baden-Baden“
1934 Beteiligung an der Ausstellung „Süddeutsche Kunst in München“ (Neue Pinakothek, München)
1935 Beteiligung an der Ausstellung „Kunstschau Deutsche Meister“ (Mathildenhöhe Darmstadt)
1938 Beteiligung an der „Dritten Bildnisausstellung“ (Haus der Kunst, Berlin)
1939, 1941 mit insgesamt neun Werken vertreten bei den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im „Haus der Deutschen Kunst“ (München)
1941 Beteiligung an der „Oberrheinischen Kunstausstellung“ (Baden-Baden)
1941 Beteiligung an der Ausstellung „Der deutsche Mensch“ (Berliner Kunsthalle)
1942 Beteiligung an der „Großen Berliner Kunstausstellung“ (Nationalgalerie)
1963 Einzelausstellung im Reuchlinhaus (Pforzheim)
1968 Ausstellung (mit Oskar Kreibich) in der Künstlergilde Buslat (Schloss Bauschlott, Neulingen)

Literatur
TRIER, Dankmar: Goetzell, Amandus, in: „Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00079346
ZUBER, Brigitte (2011):Zur Entnazifizierung der Künstler der GDK; Vortragstext, online verfügbar auf: zikg.eu; S. 9