A L W I N   B L A U E

 

Weitere Werke von Alwin Blaue

 

alwin-blaue-sewastopol


„Sewastopol“

Aquarell und Kohle auf Ingrespapier (Hahnemühle); durch braunes Klebeband umlaufend unter Passepartout gesetzt; gerahmt; unter Glas
u.l. in Blei lokalisiert und datiert „Sewastopol / 16.9.[19]43“

Rahmengrösse: 68,5×53,3cm
Blattgrösse: 48,5×31,5cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 46,8×30,3cm

verkauft

  

 

u.l. in Blei monogrammiert „Bl.“, sowie auf Rahmenrückwand von fremder Hand in blauem Kugelschreiber bez. „Alwin Blaue ‚Aquarell’“
u.l. in Blei lokalisiert „Sewastopol“

Zustand
Blatt durch braunes Klebeband umlaufend unter Passepartout gesetzt (unteres Klebeband gelöst); partiell leichte Druckstellen; verso u.r. etwas fleckig (schlägt recto leicht durch); im Bildbereich mittig leicht fleckig; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren

Provenienz
Privatbesitz (Rhein-Main-Region)
Weiteres bzgl. Provenienz (nicht aufgelöst):
— auf Rahmenrückwand in blauem Faserstift „Zi 806 Baumann“, sowie auf blauem Klebeband nummeriert „806“ [Sammlung Baumann?] — auf Rahmenrückwand oben mittig farbschwacher violetter Stempel „Stadtschulamt“, sowie darunter in dunklem Kugelschreiber nummeriert „#147“
— auf Rahmenrückwand o.l. mit schwarzem Faserstift nummeriert „Nr. 28“ [?]

 

 

Das vorliegende in verhalten expressiv-realistischer Manier gemalte Aquarell entstand während Alwin Blaues Einsatz als Kriegsmaler im Zweiten Weltkrieg in der Ukraine und auf der Krim. Ein großer Teil des künstlerischen Schaffens dieser Phase ist kriegsbedingt verloren gegangen. Zu dieser Schaffensphase heißt es bei Swantje Schollmeyer: „Es kann davon ausgegangen werden, dass das erhaltene Werk von Alwin Blaue aus seiner Kriegsmalerzeit nicht im Rahmen seines Auftrages entstanden ist, sondern in seiner Freizeit angefertigt wurde. […] Die Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen von Alwin Blaue widmen sich neben Landschaftsdarstellungen vor allem den Themen Portrait und Stadtansichten“ (Schollmeyer 2005: 168). Das vorliegende Aquarell zeigt dem Betrachter einen Blick auf Sewastopol vom September 1943. Es sind noch zwei weitere Aquarelle aus dieser Zeit bekannt (Datierungen vom 15.09.1943 und 19.09.1943, Abb. 135 und 136 in Schollmeyer 2005: 413f.), die ebenso Ansichten aus/auf Sewastopol zeigen. Dieses Aquarell vom 16. September ist exakt in diesen Zeitraum einzuordnen und gibt damit einen genaueren Blick auf das Schaffen Blaues zu dieser Zeit. Neben der künstlerischen Qualität erhält das Werk somit auch zweifelsfrei eine besondere kunsthistorische Bedeutung.

 

 


Zu Alwin Blaue (06.09.1896 Hamburg – 28.11.1958 Kiel):
Maler, Bildhauer, Illustrator, Keramiker; Lehre zum Holzbildhauer und Töpfer; 1919-24 Studium an der Kunstgewerbeschule Hamburg (bei Johann Bossard, Richard Luksch); 1924 mit Hamburger Stipendium an die Hochschule für Bildende Künste Berlin; dort Meisterschüler bei Edwin Scharff; ab 1926 in Lübeck-Dänischburg tätig als künstlerischer Mitarbeiter bei Villeroy & Boch; 1929-30 Lieter der Kunstkeramik-Abteilung der Kieler Kunst-Keramik AG; ab 1930 freischaffend tätig; erhielt ab 1933 anfangs öffentliche Aufträhe (Hoheitszeichen u.ä.); 1940 erfolgte jedoch Auftragsverbot; 1940 Umzug nach Lütjensee; im Zweiten Weltkrieg Einsatz als Kriegsmaler (Ukraine und Krim); nach dem Krieg zunächst in Lütjensee; ab 1949 als Bildhauer tätig in Kiel; 1956 Heirat mit der Keramikerin Illa Schultze; ab den 1920er Jahren zahlreiche öffentliche Aufträge

Literatur
BRUHNS, Maike (2001): Kunst in der Krise (Band 2); Dölling und Galitz; Hamburg; S. 67-68
SCHOLLMEYER, Swantje (2005): Der Bildhauer, Kunsthandwerker und Graphiker Alwin Blaue 1896-1958. Leben und Werk; WVB; Berlin