A L O I S   S C H E N K

 

Weitere Werke von Alois Schenk

 

Bildnis einer Mutter mit ihrem Sohn (Familie aus Schwäbisch Gmünd)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [Originalrahmen];
u.r. in Schwarz datiert „[19]22“

Rahmengrösse: 115,5x87cm
Leinwandgrösse: 99,5×70,5cm

u.r. in Schwarz signiert „A. Schenk“
nicht betitelt

€ 2.400,-

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Zustand
partiell leicht beschmutzt; im Bereich o.r. sehr leichte oberflächliche Farbverluste; Rahmen mit wenigen, leichten Beschädigungen (etwas berieben, leicht beschmutzt)

 

 

                             

 

 

Nach einer handwerklichen Malerlehre in Stuttgart von 1903 bis 1906 besuchte Alois Schenk, gefördert durch seinen Onkel, bis 1911 die Stuttgarter Kunstakademie. Seine damaligen Lehrer waren Robert Poetzelberger, Christian Landenberger und Adolf Hölzel. Schon während seiner Studienzeit zeigte sich die Vorliebe Schenks für kirchliche Kunst, die im Späteren auch sein Hauptbetätigungsfeld sein sollte. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg erhielt er 1919 den Auftrag einen Kreuzweg für die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Röhlingen bei Ellwangen zu gestalten. Dieses noch heute bestehende Werk wurde 1922 fertiggestellt und darf als herausragendes Beispiel der expressiven Kirchenkunst gesehen werden. Es fand aber gerade aufgrund der expressiven Ausdrucksweise anfangs weder bei der Gemeinde noch beim Rottenburger Bischof Kepler Gefallen und es entstand gar eine öffentliche Diskussion um das Schaffen. Nach der Beendigung des Röhlinger Kreuzweges bereiste Schenk Italien (1922-23) und heiratete ein Jahr nach seiner Rückkehr Annemarie, geb. Weiß (1898-1930). In den folgenden Jahren erhielt er weitere Aufträge zu Kirchenausmalungen, unter denen besonders die Gestaltung der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Baienfurt (1926-27) heraussticht.
Das vorliegende Gemälde entstand in jenem Jahr als der Künstler die Arbeit in der Röhlinger Pfarrkirche abschloss. Bedenkt man die mitunter heftigen Dispute rund um dieses beeindruckende sakrale Werk, mag man sich dies durchaus als eine nicht einfache Zeit für den damals 34jährigen vorstellen.
Vor einem zurückhaltend hellblauen Hintergrund sitzt die junge Mutter auf einer Bank. Das rechte Bein ist übergeschlagen, bleibt aber unter dem faltenreichen braunen Kleid unsichtbar. Mit ihrer rechten Hand stützt sie sich auf der Bank ab und umgreift mit der linken ihren kleinen Sohn. Durch diese Körperhaltung gelingt es dem Künstler die Starrheit eines bloßen Porträts zu umgehen und eine gewisse Lebendigkeit und Bewegung in die Komposition zu legen. Der blonde Knabe trägt über einem weißen Unterhemd ein blau-graues Oberkleid und hält einen Apfel in den kleinen Händen. Beide blicken den Betrachter an, wobei die Frau dezent lächelt.
Bei den Dargestellten handelt es sich um Frau und Sohn einer Schwäbisch Gmünder Familie, welche damals mit dem Künstler bekannt war. Man kann demnach annehmen, dass dieses überaus harmonisch wirkende Bildnis womöglich eine Auftragsarbeit war, die Alois Schenk gerade in diesen frühen Schaffenszeiten, in denen er sich als Kirchenmaler noch nicht vollends etablierte, gerne ausführte.

 

 

Zu Alois Schenk (04.02.1888 Schwäbisch Gmünd – 24.09.1949 ebd.):
Maler, Kirchenmaler, Graphiker; Sohn des Schreinermeisters Ludwig Schenk; 1903-06 handwerkliche Malerlehre in Stuttgart; während dieser Zeit förderte sein Onkel, Pfarrer Pfister aus Schwäbisch Gmünd, die künstlerischen Fähigkeiten seines Neffen; 1906-11 ermöglichte ihm sein Onkel das Studium an der Kunstakademie Stuttgart (bei Robert Poetzelberger, Christian Landenberger und Adolf Hölzel); während des Studiums intensives Beschäftigen mit kirchlicher Kunst und Erlernen der Freskomalerei; 1914 schuf er Heiligendarstellungen in der Pfarrkirche von Straßdorf (bei Schwäbisch Gmünd); kurz darauf Kriegsdienst; 1919 erhielt er den Auftrag einen Kreuzweg für die Pfarrkirche in Röhlingen bei Ellwangen zu gestalten (Fertigstellung 1922), aber weder die Gemeinde noch der Rottenburger Bischof Paul Kepler waren mit dem expressiv ausgerichteten Ergebnis zufrieden; 1922-23 Studienreisen nach Italien; 1924 Heirat mit Annemarie, geb. Weiß (1898-1930); 1926 Bau des selbstgeplanten Hauses in der Lindenfirststraße 18 in Schwäbisch Gmünd; Februar 1930 plötzlicher Tod der Ehefrau an Nierenversagen; Ende 1930 Reise zusammen mit Karl Stirner ins Heilige Land; ab 1930 erhielt er vermehrt Aufträge zur Ausmalung von Kirchen (u.a. Dalkingen, Eggenrot, Erpfental, Pfalheim, Stimpfach, Unterschneidheim); 1939 zweite Heirat mit Mathilde, geb. Krieg (1899-1993); ein früher Studienkopf befindet sich im Besitz des Museums im Prediger (Schwäbisch Gmünd)

Literatur
BAUMHAUER, Hermann (1993): Kunstszene Ostwürttemberg; Theiss; Stuttgart; S. 24
HAUBER, Hermann (2005): Karl Stirner und Alois Schenk. Im Heiligen Land. Eine Künstlerreise 1930/1931; Betulius Verlag; Stuttgart; S. 11-13
KISSLING, Hermann (1979) (Hrsg.): Kunst im Städtischen Museum Schwäbisch Gmünd; Göppingen: Jungmann; S. 113
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00153120