A L F R E D   N.   D E L A U N O I S

 

 

alfred-delaunois
„Portrait Psychologique ‚La Religieuse’“

Mischtechnik (Kohle, Farbstifte, Kreide, Bleistift); auf Karton; gerahmt (Originalrahmen)
nicht datiert, (wohl) um 1910

Rahmengrösse: 28,3×41,8cm
Bildgrösse: 19,3×26,5 cm

o.l. signiert; sowie verso auf dem Etikett (wohl) vom Künstler beschrieben „Alfred Napoleon Delaunois / […] Leuven / Portrait Psychologique / ‚La Religieuse’“
verso auf dem Etikett betitelt: „Portrait Psychologique ‚La Religieuse’“

€ 725,-

 

 

 

  

 

Zustand
Karton insgesamt etwas berieben; Karton am oberen Rand (im rechten oberen Bereich der Kopfbedeckung) beschädigt; im linken Bereich mittig (etwas links von der Nase) kleine oberflächliche Beschädigung; rechts neben dem Mund nochmals leicht oberflächlich beschädigt; Rahmen mit Gebrauchsspuren (berieben, Farbabreibungen, Ecken/Kanten bestoßen); verso Lager-, Gebrauchsspuren (fleckig, berieben)

Ausstellung
„Erste Internationale Graphische Kunst-Ausstellung Leipzig“ [Abteilung ‚Zeitgenössische Graphik‘], Halle der Kultur (Leipzig), Mai bis Oktober 1914, Kat.Nr. 17 des Belgien-Saals XXXVII (im Kat. S. 120, hier betitelt als „Fromme Schwester“) [verso auf dem Rahmen Etiketten der Ausstellung]

Provenienz
Prinz Johann Georg, Herzog zu Sachsen (1869-1938) (Lugt 4484) [hierzu verso auf dem Rahmen kleines Sammlungsetikett mit Nummerierung „S. I / No. 6118“]

 

 

Alfred N. Delaunois ist besonders für seine mystisch anmutenden religiösen Arbeiten bekannt. Er schuf Ansichten von Kirchen, Beginenhöfen, Kircheninterieurs, Portraits. Die vorliegende mit wenigen Strichen konzipierte Arbeit zeigt das Gesicht einer Ordensangehörigen und ist in eine Serie/Reihe von ‚psychologischen Portraits‘ des Künstlers einzuordnen. Durch das bewusste Vernachlässigen von allem was nicht das Gesicht anbelangt rückt dies zwangsläufig in den Blickpunkt und lässt den Betrachter über den Ausdruck von selbigem rätseln. Eine herausragende, hintergründige Portraitkomposition, die wohl direkt bei der Ausstellung von Johann Georg v. Sachsen erworben wurde und auf diesem Weg in dessen sehr umfangreiche Sammlung gelangte.

 

 

Zu Alfred Napoleon Delaunois (9.6.1875 Sint-Joost-ten-Node – 22.11.1941 Heverlee):
belgischer Maler, Zeichner, Graphiker; Studium an den Akademien von Brüssel und Löwen [Leuven] (bei Constantin Meunier, dessen Liebslingsschüler er war); im Folgenden Dozent an der Akademie Löwen, deren Direktor er 1920 wurde; Mitglied bei den Künstlervereinigungen „Labeur“, „Als ik Kan“, „Société des Aquafortistes Belges“, „La gravure originale belge“ und „La Croix Latine“; er malte Landschaften, Kirchen, Kircheninnenhöfe, Beginenhöfe; im Sept.-Okt. 1914 hielt er Zerstörungen in Löwen im Ersten Weltkrieg künstlerisch fest; 1900 Beteiligung an der Weltausstellung in Paris; ab 1905 auf zahlreichen Biennalen in Venedig vertreten

Literatur
LANGUI, Emile (1972): Expressionism in Belgium; Brüssel; Laconti; S. 212
MARLIER, Georges (1943): Die flämische Malerei der Gegenwart; Diederichs; Jena; S. 87
STIERCKX, Marian (2005): Constantin Meunier and Leuven (1887-1897). A Love-Hate Relationship, in: GELDER, Hilde van (Hrsg.): Constantin Meunier. A Dialogue with Allan Sekula; Leuven University Press; S. 19-60 [hier: S. 31]