A L B E R T   U N S E L D

 

Weitere schwäbische Künstler
Weitere Künstler des Expressiven Realismus

 

Albert Unseld

 

Schwäbische Landschaft mit Blick (wohl) vom Messelberg auf die drei Kaiserberge

Mischtechnik (Aquarell, Tempera, Deckweiß über leichten Bleistiftvorzeichnungen), auf sandfarbenem Karton
u.r. in Braun datiert „[19]40“

Blattgrösse: 49,8×59,7cm

u.r. in Braun signiert „A. Unseld“
nicht betitelt

€ 1.050,-

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Zustand
in den vier Ecken jeweils ein kleines Einstichloch; in den Blatträndern mittig jeweils zwei kleine Einstichlöcher; am linken Rand kleiner Einriss und minimaler Papierverlust an einem der Einstichlöcher; am rechten Rand kleiner Einriss und minimaler Papierverlust an einem der Einstichlöcher; in den Bereichen der Wolken mitunter leichte Verluste des Deckweißes; verso an den Rändern leichte Reste früherer Befestigung; verso leicht fleckig; verso u.r. in Blei bez./nummer. (wohl Angaben vom Rahmenmacher)

Provenienz
verso auf Blatt u.l. in brauner Tinte bezeichnet „FSchmid / Ulm a.D. / Syrlinstr. 6“

 

 

In den 1920er Jahren begann sich Albert Unseld verstärkt als Künstler zu etablieren. Die ab 1921 einsetzende Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk der Expressionisten, und hierbei insbesondere das Schaffen von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff, löste dabei eine neue Schaffensphase aus (vgl. hierzu u.a. Herbert Pée (1968): Der Maler Albert Unseld; Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft; S. 12). Unseld nahm zwischen 1926 und 1931 mehrmals an den Glaspalast-Ausstellungen in München teil, zudem wurden Exponate von ihm u.a. beim Deutschen Künstlerbund (1926-36), im Essener Folkwang-Museum (1928-29) und bei der Berliner Sezession (1928-29) gezeigt. Auch nach der Machtübernahme 1933 nahm Unseld noch gelegentlich an Ausstellungen teil. Wobei bezeichnenderweise eine dieser Ausstellungen mit Werken Unselds im Dritten Reich jene schlicht mit „Malerei und Plastik“ betitelte Schau des Deutschen Künstlerbundes 1936 in Hamburg war. Neben Ernst Barlach, Eduard Bargheer, Max Beckmann, Werner Berg, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Franz Frank, Ernst Geitlinger, Karl Hofer, Ernst Ludwig Kirchner und zahlreichen weiteren Vertretern der Moderne war Unseld mit einer „Alblandschaft“ (Kat.Nr. 230) vertreten. Nach Papenbrock und Saure war diese Ausstellung „die letzte Manifestation moderner Kunst im nationalsozialistischen Deutschland“ (Papenbrock, Martin/Saure, Gabriele (Hrsg.) (2000): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen [Teil I. Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit]; Weimar: VDG; S. 30), so dass die Schließung nach nur zehn Tagen nicht verwundert.
Auch vor dem Hintergrund der Schließung dieser Hamburger Ausstellung ist es verständlich, wenn Pée ausführt, dass Unseld sich 1937 „auf das äußerste bedrängt und irritiert [fühlte]. Seine Reaktion war die Flucht nach innen, ein Heraus aus aller Öffentlichkeit, die seiner Kunst plötzlich den Auftritt und die Anerkennung verwehrte, eine Abkapselung ins Private, die eine aufkommende Mutlosigkeit nur noch verstärkte“ (Pée 1968: 18).
Die vorliegende Ansicht auf die drei Kaiserberge ist auf 1940 datiert und entstand damit gerade in dieser Zeit der Zurückgezogenheit. Der Künstler nimmt den Betrachter mit auf seinen Standpunkt, der sich wohl auf dem Messelberg bei Donzdorf befindet. Im Gegensatz zu Arbeiten aus den 1920er oder auch frühen 1930er Jahren ist die Ansicht ruhiger, weniger farbkräftig und insgesamt nicht so expressiv. Aber dennoch bleibt Unseld bei einer, damals keinesfalls en vogue gewesenen, expressiv-realistischen Grundhaltung als künstlerisches Ausdrucksmittel. Was annehmen lässt, dass er das Werk entweder rein für sich oder für einen kleinen Bekanntenkreis malte, denn auf eine größere Nachfrage wird er kaum hätte hoffen können.

 

 

Zu Albert Unseld (05.10.1879 Ulm – 23.07.1964 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Architekt; Sohn des Bäckermeisters Ulrich Unseld (1845-1920) und dessen Frau Dorothea, geb. Braunwarth (1850-1927); Albert Unseld hatte insgesamt 14 Geschwister von denen aber der Großteil bereits jung verstarb; 1898 Abitur in Ulm; 1898-1901 Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart; daneben Malunterricht bei Adolf Treidler und Gustav Halmhuber; 1901 Goldene Medaille der Technischen Hochschule Stuttgart für den Entwurf der Innendekoration eines Künstlerhauses; 1902-06 Assistent von Professor Wallot an der Kunstakademie Dresden und dort Bekanntschaft mit Gotthard Kühl und Eugen Bracht; 1904 erste Paris-Reise; 1906 einjährige Studienreise (zumeist zu Fuß) durch die Schweiz, Italien, Frankreich und die Niederlande; 1907 Examen als Regierungsbaumeister; ab 1908 als freischaffender Architekt und Maler in Ulm tätig; dazu Lehrer an der Bauhandwerkerschule in Biberach a.d.Riß; zahlreiche Reisen nach Dalmatien, in die Alpen und nach Frankreich; 1913 Veröffentlichung des autobiografischen Romans „Aus Feuers Not“; 1919 Mitbegründer der Künstlergilde Ulm; 1920 Auszeichnung mit der Lebensrettungsmedaille; 1921 Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk der Expressionisten (Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff); 1921-23 Aufträge für Kriegsdenkmale in Ulm, Neu-Ulm und auf der Schwäbischen Alb; 1926, 1928-31 Beteiligungen an den Glaspalast-Ausstellungen in München; 1930 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, zu dieser Zeit nähere Bekanntschaft mit dem aus Berlin nach Ulm übergesiedelten Paul Kleinschmidt; 1932 Dalmatien-Reise; 1933 Beteiligung an der „Ersten Ausstellung. Aquarelle, Zeichnungen, Bildhauerwerke“ des Deutschen Künstlerbundes (Kunstverein Magdeburg & Heimatmuseum Saarbrücken); 1933 Beteiligung an der „Staatlichen Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek / Deutsches Museum, München); 1934-35 Beteiligungen an der „Großen Münchner Kunstausstellung“ (Neue Pinakothek, München); 1934 Beteiligung an der Ausstellung „Süddeutsche Kunst in München“ (Neue Pinakothek, München); 1936 Beteiligung an der Ausstellung „Die Straßen Adolf Hitlers in der Kunst“ (München); 1936 Beteiligung an der (vorzeitig geschlossenen) Ausstellung „Malerei und Plastik“ (Kunstverein Hamburg/Deutscher Künstlerbund); 1946-56 Abgeordneter der Freien Wähler im Ulmer Gemeinderat; Leiter des Archäologischen Büros; Mitarbeit beim Wiederaufbau der Stadt Ulm; 1953 Reise in die Schweiz; 1958 Reise nach Ägypten; 1964 Verleihung der Ehrenmedaille der Stadt Ulm

Literatur
DEGREIF, Uwe (Hrsg.) (2014): Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert. Ein schwieriges Erbe. 1933 – 1945; Lindenberg im Allgäu: Josef Fink; S. 233
NAGEL, Gert K. (1986): Schwäbisches Künstlerlexikon; Kunst & Antiquitäten; S. 120
NOBIS, Norbert (Red.) (1979): Albert Unseld 1879-1964 zum 100. Geburtstag; Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft
PÉE, Herbert (1968): Der Maler Albert Unseld; Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft
SCHNEIDER, Erich (Hrsg.) (2009): Expressiver Realismus. Die Sammlung Joseph Hierling [Schweinfurter Museumsschriften 166/2009]; Schweinfurt; S. 330
WIRTH, Günther (1987): Verbotene Kunst 1933-1945. Verfolgte Künstler im deutschen Südwesten; Stuttgart: Hatje; S. 332-333
ZIMMERMANN, Rainer (1994): Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation; Hirmer; München; S. 455-456
„Allgemeines Künstlerlexikon (AKL)“, Onlineversion, Künstler-ID: 00215302