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Weitere Werke von Adolf Hacker

 

Adolf Hacker: Ansicht auf das Nürnberger „Gasthaus zur Pegnitz“ (Lorenzer Altstadt) mit vorbeifliegendem Graf Zeppelin (LZ 127)

 

Ansicht auf das Nürnberger „Gasthaus zur Pegnitz“ (Lorenzer Altstadt) mit vorbeifliegendem Graf Zeppelin (LZ 127)

Öl auf Leinwand, Keilrahmen, gerahmt [Rahmung durch „Bilder Bingold […] Nürnberg“ (hierzu verso auf Rahmen u.m. kleines Etikett)
u.r. in Schwarz lokalisiert und datiert „Nürnberg 9.9.[19]30“

€ 1.300,-

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Rahmengrösse: 75,2×63,6cm
Leinwandgrösse: 62,2×50,3cm

u.r. in Schwarz signiert „A. Hacker“
nicht betitelt

Zustand
partiell leicht fleckig und etwas beschmutzt (im Bereich des Himmels mitunter etwas stärker fleckig); Leinwand verso links nummer. „264“ (Keilrahmen links ebenso nummer.); Leinwand verso o.m. mit kleinem Aufkleber und handschriftl. Bez. „Liste II / No. 14“; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben)

 

 

Spätestens durch seine Heirat 1898 mit Johanna Beckenbach und seine Geschäftseröffnung 1899 war Adolf Hacker eng mit Heidelberg verbunden. In den folgenden Jahren wurde er zum ‚malenden Chronisten‘ der Stadt, der besondere Ereignisse, wie beispielsweise den Rathausbrand in der Nacht vom 2. zum 3. März 1908, oder schlicht signifikante Ansichten künstlerisch festhielt (vgl. hierzu: Benno K.M. Lehmann (2000): Adolf Hacker – Sein Leben und Schaffen, in: Stadt Neckargemünd (Hrsg.): Adolf Hacker (1873-1943) – Ein Künstler des malerischen Realismus; Speyer: Progressdruck; S. 8-18 [hier: S. 13-14]).
Daneben reiste Hacker viel und es entstanden hierbei immer wieder Werke mit Eindrücken seiner Erlebnisse. Und so war neben anderen deutschen Städten auch Nürnberg eines seiner Ziele.
Im vorliegenden Werk zeigt er eine idyllische Ansicht auf das „Gasthaus zur Pegnitz“ (Lorenzer Altstadt) im mittleren Bildbereich und den Schuldturm (Sebalder Altstadt) im Hintergrund. Eine fröhliche Gänseschar versammelt sich schnatternd im Vordergrund und wird von der Brücke aus von Passanten betrachtet. Ein weiterer Mann scheint in seiner leicht nach vorne geneigten, etwas unsicheren Haltung gerade aus jenem Gasthaus zu kommen. Fensterbänke und Balkone sind reichlich mit farbeprächtigen Blumen geschmückt. Als eine Besonderheit erblickt der Betrachter am leicht bewölkten Himmel das Luftschiff Graf Zeppelin (LZ 127). Ganz explizit zeigt sich hier der ‚malende Chronist‘, der den Vorbeiflug des beeindruckenden Luftschiffes festhielt. Der Graf Zeppelin startete am 09. September 1930 von Friedrichshafen aus nach Moskau. Die Hinreise führte unter anderem über Südwestsachen (vgl. hierzu: Horst Teichmann (2004):Die Sehnsucht zu fliegen: zur Geschichte der Luftfahrt in Südwest-Sachsen; Plauen: Vogtland-Verlag; S. 46), bevor am 10. September nach 26stündiger Fahrt die russische Hauptstadt erreicht wurde. Bedenkt man, dass die Route bei der Hinreise nachweislich über das Vogtland führte, dann erscheint auch ein kurz davor erfolgter Überflug Nürnbergs an eben jenem 09. September als plausibel.
Adolf Hacker hat damit nicht nur eine überaus idyllische, beinahe zeitentrückte Nürnberger Kulisse festgehalten, sondern zudem ein zeit- und stadtgeschichtlich interessantes Bilddokument geschaffen.

 

 

Zu Adolf Hacker (11.05.1873 Schwarzenbach a.d.S. – 14.08.1943 Heidelberg):
Maler, Zeichner; Sohn des Gendarmeriestandortkommandanten Adam Hacker (1833–1911) und dessen Frau Friedrike Margaretha geb. Söllner (1842–1881); Jugendzeit in Hof (Saale); Lehre zum Dekorations- und Zimmermaler in Hof (Saale); 1890 wurde sein Gesellenstück in Nürnberg mit 120 Goldmark prämiert, durch diese Prämie konnte er im Winterhalbjahr 1890-91 die Rosenthal-Kunstschule (München) besuchen; durch Tätigkeiten als Malermodell und Tüncher konnte er sich einen anschließenden Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule München leisten; nur kurze Zeit später wurde er der Schule verwiesen, da er mit einem Mitschüler, der zuvor Hackers Zeichnungen zerstörte, raufte und dabei eine Gipsfigur zu Bruch ging; März 1892 wurde er auf seine Bewerbung hin von der Deutschen Marine als Malersgast in Wilhelmshaven angenommen; 1893 nahm er als Obermalersgast der S.M.S. „Stein“ an einer fünfmonatigen Reise nach Norwegen, Schottland, Schweden teil; Januar 1894 Beförderung zum Malersmaat und Entlassung aus dem Dienst; es folgten Wohnorte in Stuttgart, Mannheim, Wilhelmshaven, Nürnberg, Hof, Heidelberg (Januar 1896); 1896-97 Besuch der Kunstgewerbeschule Hannover (Malklasse von Otto Hammel); ab dem Frühjahr 1897 wieder in Heidelberg ansässig; Oktober 1898 Heirat mit Johanna Beckenbach, die einen gutgehenden Gebrauchtmöbelhandel betrieb; 1899 Eröffnung eines Ateliers für Firmen-Malerei (Hauptstraße 133), zudem hatte er eine Werkstatt zur Anfertigung von Glas-Schildern (Ladenburger Straße 36); beide Geschäfte waren erfolgreich und Hacker beschäftigte mitunter bis zu 60 Gesellen und Gehilfen; 1905 erhielt er von der Stadt Heidelberg den Auftrag ein Gemälde einer Ratssitzung zu malen (105x206cm, befindet sich heute im Kurpfälzischen Museum); 1906 organisierte er die erste eigene Ausstellung; Hacker entwickelte sich mehr und mehr zum Heidelberger Stadtchronisten; 1908 musste der Handwerksbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen liquidiert werden; 1909-12 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe (bei u.a. Ernst Schurth, Hans Müller-Dachau, Caspar Ritter); im Frühjahr 1913 Besuch des Studienateliers von Lovis Corinth (Berlin); durch Corinth erhielt Hacker Portraitaufträge, die seinen Lebensunterhalt sicherten; im Mai 1913 Rückkehr nach Heidelberg und Einrichtung eines eigenen Ateliers; im Winter 1913-14 Besuch der Académie de la Grande Chaumiére, was wohl auch durch Corinth angeregt wurde; Ende 1914 Einberufung als Malersmaat zum Kriegsdienst nach Wilhelmshaven; Hacker organisierte einen eigene Malkurs und eine Ausstellung mit den dort geschaffenen Werken im Wilhelmshavener Kunstverein; 1916 Versetzung als Lehrer an das Marine-Lazarett nach Hamburg-Veddel; in dieser Zeit organisierte Hacker mehrere eigene Ausstellungen deren Erlös er dem Roten Kreuz und dem Moor´schen Blindenverein spendete; nach dem Ersten Weltkrieg Rückkehr nach Heidelberg; fortan insbesondere als malender Stadtchronist tätig, was ihm in Heidelberg zu großer Bekanntheit und Beliebtheit verhalf; 1924 zusammen mit Georg Schmidt Italienreise; 1925 Studienreise nach Cuxhaven, Helgoland und in die Niederlande; 1927 umfangreicher Auftrag der Stadtverwaltung Ziegelhausen, die Gemälde mit innerstädtischen Motiven wollte; in den 1930er Jahren zahlreiche Reisen nach u.a. Lüneburg, Heilbronn, Trier, Bielefeld; März 1933 große Einzelausstellung in Hof (Saale); Mitglied im Künstlerkreis „Form und Farbe“; Hacker schuf v.a. Landschaften, Stadtansichten, Portraits und Stillleben

Literatur
Stadt Neckargemünd (Hrsg.) (2000): Adolf Hacker (1873-1943) – Ein Künstler des malerischen Realismus; Progressdruck; Speyer