A D O L F   G E R H A R D

 

Weitere Werke von Adolf Gerhard

 

adolf-gerhard-szene-eines-stierkampfs

 

Szene eines Stierkampfs

Öl auf Leinwand; Keilrahmen
u.r. datiert „[19]62“

€ 675,-

 

 

        

 

Leinwandgrösse: 69x35cm
u.r. signiert „A. Gerhard“

Zustand
insgesamt sehr leicht beschmutzt

 

 

„Adolf Gerhard greift mit Stift und Pinsel nach dem, was ihn ergreift. So findet sich auffällig selten unmittelbare Spiegelung von Eindrücken aus seinen vielerlei Reisen in seinen Bildern“ (Werner Spanner (1973): Vorowrt, in: Adolf Gerhard. Maler Bildhauer [Artis Documenta]; Editions Christian Hals; Monte-Carlo; unpag.).
Im vorliegenden Gemälde präsentiert sich dem Betrachter eine solche ’seltene unmittelbare Spiegelung‘ von sicherlich in Spanien empfangenen Eindrücken. Vor einem dunklen, grau-grünen Hintergrund ereignet sich im linken Vordergrund die ganze Dramatik eines Stierkampfes. Der Torero ist vornehmlich in Weiß dargestellt, nimmt eine elegante, etwas schräge Körperhaltung ein. Dem heranstürmenden, in Brauntönen sich zeigenden Stier hält er das rote Tuch vor die Hörner. Im rechten Bereich des Hintergrund sind in wenigen gespachtelten Zügen die gespannten und gebannten Zuschauer sichtbar. Und insgesamt ist die angewandte gespachtelte Farbgebung ein signifikantes Merkmal des Werkes. Gerhard erreicht so eine flächige, farb-konzentrierte Wirkung, ohne aber dabei auf dezent gesetzte Details verzichten müssen, wie man sie beispielsweise in der arthistisch anmutenden, überkreuzten Fußstellung des Toreros sieht.
Wunderbar stimmungsvolle Komposition in der ganz eigenen Manier des vielseitigen Mainzer Künstlers!

 

 

Zu Adolf Gerhard (20.10.1910 Mainz – 21.02.1975 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer; der Vater Jacob Gerhard war selbst Holzbildhauer und Kunsthändler, bei ihm erhielt er seine erste künstlerische Ausbildung; 1926-32 Studium der Malerei und der Innenarchitektur an der Kunst- und Gewerbeschule Mainz (Abschluss mit Diplom); in dieser Zeit Anschluss an die „Vereinigung Mainzer Künstler“; ab 1932 Mitarbeit im elterlichen Betrieb; aufgrund der anthroposophischen Ausrichtung der Familie wurden seine Werke vermehrt während der Zeit des Nationalsozialimus‘ geächtet; aufgrund einer Sehschwäche vom Wehrdienst zurückgestellt; 1940-1943 Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main; 25.07.1942 Heirat mit der Musiklehrerin Anni, geb. Binger; das Ehepaar Gerhard lebte in der Walpodenstraße 35 in Mainz; 1942 Zwangsverpflichtung (Reichsarbeitsdienst) in eine Munitions- und Giftgasfabrik, Studienunterbrechung; kurze Wiederaufnahme der Studien; am 31. März 1943 Einberufung zur Wehrmacht und endgültiger Studienabbruch; Gerhard war in einer Flakstellung in der Nähe von Mainz eingesetzt; 27. Februar 1945 die Wohnung in der Walpodenstrasse 35 und die elterliche Wohnung mit der Kunstwerkstätte werden bei einem Bombenangriff zerstört; von März 1945 bis März 1947 amerikanische Kriegsgefangenschaft (u.a. in Mourmelon); März 1947 Rückkehr nach Mainz, ab da an als freischaffender Künstler tätig; anfangs wohnte das Ehepaar zusammen mit Annis Mutter in einem Zimmer in der Walpodenstraße 14; finanzielle Sorgen bedrängten die Familie; 1956 Umzug in die Kaiserstraße; langsam besserte sich die wirtschaftliche Lage; Studienaufenthalte in fast allen europäischen Ländern; seit 1947 Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen Städten des In- und Auslandes, u. a. Mainz, Berlin, München, Brüssel, Florenz, Rom, Paris, Monte Carlo, Santiago de Chile, posthum auch in Salzburg, Ankara, Valencia, Oslo, Leek (GB), New York und Jerusalem; 1970-74 zahlreiche Silber-/Goldmedaillen von Kunstakademien in Rom, Monte Carlo, Biarritz, Borgosesia und Paris. Posthum Ehrenauszeichnungen in Monte Carlo, Lyon, Juan-les-Pins, Paris und Antibes; 1993 Silberehrennadel Europäischer Kulturkreis Berlin; 1982 Benennung einer Straße in Mainz-Bretzenheim nach Adolf Gerhard; 2010 organisierte die Adolf-Gerhard-Stiftung in Kooperation mit dem Kulturdezernat der Landeshauptstadt Mainz zum 100. Geburtstag des Künstlers die Ausstellung „Ein Mainzer Künstler zwischen Tradition, Wandel, Realität und Vision“

Literatur
BORRMANN, Gottfried (1984): Adolf Gerhard 1910-1975. Das Religiöse in seinem Werk; H. Schmidt; Mainz
KOTZUR, Hans-Jürgen (Hrsg.) (1996): Adolf Gerhard 1910-1975 [Begleitbuch zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 15. März 1996 bis 29. Juni 1996]; Hermann Schmidt; Mainz
SPANNER, Werner (1973): Vorwort, in: Adolf Gerhard. Maler Bildhauer [Artis Documenta]; Editions Christian Hals; Monte-Carlo; unpag.