A D O L F   G E R H A R D

 

Weitere Werke von Adolf Gerhard

 

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Darstellung des Alten Gymnasiums bzw. des Kronberger Hofs in Mainz mit dem signifikanten Erker

Aquarell, Gouache und Tuschfeder auf leicht sandfarbenem Papier; am oberen Rand (wohl) vom Künstler auf bräunlichen Karton befestigt/geklebt (dieser zugleich Rahmenrückwand); lose unter Passepartout; gerahmt; unter Glas
u.r. auf Passepartout in Blei datiert „1948“

u.r. auf dem Passepartout in Blei signiert „A. Gerhard“, sowie auf dem unterlegten Karton (von dem Blatt verdeckt) in blauem Farbstift vom Künstler mit dessen damaliger Adresse versehen „Adolf Gerhard / Mainz / Walpotenstr. 14“; weiterhin verso auf dem Karton in Blei vom Künstler mit dessen späterer Adresse bez. „Adolf Gerhard / Mainz / Fischtorpl. 11“
nicht betitelt

€ 220,-

 

 

 

Rahmengrösse: 34,5×46,5cm
Blattgrösse: 21,8×29,4cm
Grösse des Passepartoutausschnitts: 19,6×27,3cm

Zustand
Blatt am oberen Rand (wohl) vom Künstler auf bräunlichen Karton befestigt/geklebt (dieser zugleich Rahmenrückwand); partiell Druckstellen; insgesamt (technikbedingt) leicht wellig; in den vier Ecken je zwei kleine Einstichlöcher; im Bereich o.r. leichte diagonale Stauchung; insgesamt leicht nachgedunkelt; Rahmenrückwand etwas fleckig, sowie an den Rändern mit Rostspuren der Nägel; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren

 

 

 

 

1945 geriet Adolf Gerhard in amerikanische Kriegsgefangenschaft und war in den französischen Lagern in Mourmelon und Faverney interniert. 1947 wurde er entlassen, kehrte nach Deutschland zurück und „ließ sich […] zusammen mit seiner Frau, der Musikpädagogin Anni Gerhard, als Maler und Bildhauer in Mainz nieder“ (Gabriele Mendelssohn (1990): Einige Bemerkungen zu Leben und Werk Adolf Gerhards, in: Berthold Roland (Hrsg.): Adolf Gerhard 1910-1975. Zum 80. Geburtstag; Mainz; S. 5-12 [hier: 7]). Das vorliegende Werk entstand kurz nach seiner Rückkehr in seine Geburtsstadt. Die beiden Adressvermerke auf dem Karton verweisen auf diese frühe Zeit, hatten seine Frau und er doch zuerst eine Wohnung in der Walpotenstraße, bevor sie dann zum Fischtorplatz zogen. In zarten, leicht matten Farben zeigt sich die menschenleere Kreuzung mit dem bekannten Erker. Man kann wohl annehmen, dass Adolf Gerhard dieses, auch für Mainzer Ansichtskarten, beliebte Motiv auf Nachfrage hin schuf bzw. mit dem Gedanken dies schnell verkaufen zu können, um so eine Einnahmequelle zu haben. Sehr dekorative, stimmige Komposition aus einer recht frühen Schaffensphase des Mainzer Künstlers!

 

Zu Adolf Gerhard (20.10.1910 Mainz – 21.02.1975 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer; der Vater Jacob Gerhard war selbst Holzbildhauer und Kunsthändler, bei ihm erhielt er seine erste künstlerische Ausbildung; 1926-32 Studium der Malerei und der Innenarchitektur an der Kunst- und Gewerbeschule Mainz (Abschluss mit Diplom); in dieser Zeit Anschluss an die „Vereinigung Mainzer Künstler“; ab 1932 Mitarbeit im elterlichen Betrieb; aufgrund der anthroposophischen Ausrichtung der Familie wurden seine Werke vermehrt während der Zeit des Nationalsozialimus‘ geächtet; aufgrund einer Sehschwäche vom Wehrdienst zurückgestellt; 1940-1943 Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main; 25.07.1942 Heirat mit der Musiklehrerin Anni, geb. Binger; das Ehepaar Gerhard lebte in der Walpodenstraße 35 in Mainz; 1942 Zwangsverpflichtung (Reichsarbeitsdienst) in eine Munitions- und Giftgasfabrik, Studienunterbrechung; kurze Wiederaufnahme der Studien; am 31. März 1943 Einberufung zur Wehrmacht und endgültiger Studienabbruch; Gerhard war in einer Flakstellung in der Nähe von Mainz eingesetzt; 27. Februar 1945 die Wohnung in der Walpodenstrasse 35 und die elterliche Wohnung mit der Kunstwerkstätte werden bei einem Bombenangriff zerstört; von März 1945 bis März 1947 amerikanische Kriegsgefangenschaft (u.a. in Mourmelon); März 1947 Rückkehr nach Mainz, ab da an als freischaffender Künstler tätig; anfangs wohnte das Ehepaar zusammen mit Annis Mutter in einem Zimmer in der Walpodenstraße 14; finanzielle Sorgen bedrängten die Familie; 1956 Umzug in die Kaiserstraße; langsam besserte sich die wirtschaftliche Lage; Studienaufenthalte in fast allen europäischen Ländern; seit 1947 Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen Städten des In- und Auslandes, u. a. Mainz, Berlin, München, Brüssel, Florenz, Rom, Paris, Monte Carlo, Santiago de Chile, posthum auch in Salzburg, Ankara, Valencia, Oslo, Leek (GB), New York und Jerusalem; 1970-74 zahlreiche Silber-/Goldmedaillen von Kunstakademien in Rom, Monte Carlo, Biarritz, Borgosesia und Paris. Posthum Ehrenauszeichnungen in Monte Carlo, Lyon, Juan-les-Pins, Paris und Antibes; 1993 Silberehrennadel Europäischer Kulturkreis Berlin; 1982 Benennung einer Straße in Mainz-Bretzenheim nach Adolf Gerhard; 2010 organisierte die Adolf-Gerhard-Stiftung in Kooperation mit dem Kulturdezernat der Landeshauptstadt Mainz zum 100. Geburtstag des Künstlers die Ausstellung „Ein Mainzer Künstler zwischen Tradition, Wandel, Realität und Vision“

Literatur
BORRMANN, Gottfried (1984): Adolf Gerhard 1910-1975. Das Religiöse in seinem Werk; H. Schmidt; Mainz
KOTZUR, Hans-Jürgen (Hrsg.) (1996): Adolf Gerhard 1910-1975 [Begleitbuch zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 15. März 1996 bis 29. Juni 1996]; Hermann Schmidt; Mainz
SPANNER, Werner (1973): Vorwort, in: Adolf Gerhard. Maler Bildhauer [Artis Documenta]; Editions Christian Hals; Monte-Carlo; unpag.