A D O L F   G E R H A R D

 

Weitere Werke von Adolf Gerhard

 

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„Ingelheimer Auspitze“

Aquarell über Bleistiftvorzeichnungen; auf Aquarellkarton; aufgezogen/geklebt auf festen Karton (dieser zugleich Rahmenrückwand); ungerahmt; Originalrahmen liegt bei [individuelle Rahmung durch den Vater des Künstlers, hierzu verso auf Rahmenrückwand farbschwacher Stempel in Violett „J.[akob] Gerhard / Mainz / [?] / Kunstgewerbe“];
u.l. datiert & lokalisiert „1943 / Mainz“

Blattgrösse: 57,5×47,2cm (Ränder mitunter leicht unsauber beschnitten)

€ 380,-

 

 

        

 

u.l. signiert „A. Gerhard“
verso auf der Rahmenrückwand (wohl) vom Künstler in Farbstift bez.: „Ingelheimer Auspitze“

Zustand
Blatt aufgezogen/geklebt auf festen Karton (dieser zugleich Rahmenrückwand); Ränder mitunter leicht unsauber beschnitten; leicht achgedunkelt; verso an den Rändern umlaufend Reste früherer Befestigung (Klebebänder); verso etwas fleckig; beigefügter Rahmen am oberen Element etwas verzogen

 

 

Adolf Gerhard schloss 1932 sein Studium an der Kunst- und Gewerbeschule Mainz ab und war in den folgenden Jahren, bis zu seinem Studienbeginn an der Städelschule 1940, freischaffend tätig. Der ab 1940 begonnene Besuch der Städelschule wurde 1942 durch die Zwangsverpflichtung zum Reichsarbeitsdienst unterbrochen, bevor Gerhard dieses Studium im März 1943, aufgrund seiner Kriegseinberufung, gänzlich abbrechen musste. Kurz vor diesem Studienabbruch kam es nochmals zu einer kurzzeitigen Wiederaufnahme seiner künstlerischen Ausbildung.
Das vorliegende Aquarell ist in diese für Adolf Gerhard signifikante biografische Phase einzuordnen. Anzunehmen ist, dass es wohl kurz vor der Einberufung zum Kriegsdienst entstand. Farbgebung und Umgang mit den Aquarellfarben zeigen bereits seine Gereiftheit und seine künstlerische Weiterentwicklung. In zarten, lockeren, sich mitunter leicht vermengenden Farben entwirft der Mainzer Künstler eine Rheinansicht aus seiner unmittelbaren Heimatregion. Die künstlerisch anthroposophischen Einflüssen, die sich in früheren Arbeiten finden, sind hier zurückgetreten und erscheinen allenfalls noch dezent bei der Darstellung des Wolkenhimmels.

 

 

Zu Adolf Gerhard (20.10.1910 Mainz – 21.02.1975 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer; der Vater Jacob Gerhard war selbst Holzbildhauer und Kunsthändler, bei ihm erhielt er seine erste künstlerische Ausbildung; 1926-32 Studium der Malerei und der Innenarchitektur an der Kunst- und Gewerbeschule Mainz (Abschluss mit Diplom); in dieser Zeit Anschluss an die „Vereinigung Mainzer Künstler“; ab 1932 Mitarbeit im elterlichen Betrieb; aufgrund der anthroposophischen Ausrichtung der Familie wurden seine Werke vermehrt während der Zeit des Nationalsozialimus‘ geächtet; aufgrund einer Sehschwäche vom Wehrdienst zurückgestellt; 1940-1943 Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main; 25.07.1942 Heirat mit der Musiklehrerin Anni, geb. Binger; das Ehepaar Gerhard lebte in der Walpodenstraße 35 in Mainz; 1942 Zwangsverpflichtung (Reichsarbeitsdienst) in eine Munitions- und Giftgasfabrik, Studienunterbrechung; kurze Wiederaufnahme der Studien; am 31. März 1943 Einberufung zur Wehrmacht und endgültiger Studienabbruch; Gerhard war in einer Flakstellung in der Nähe von Mainz eingesetzt; 27. Februar 1945 die Wohnung in der Walpodenstrasse 35 und die elterliche Wohnung mit der Kunstwerkstätte werden bei einem Bombenangriff zerstört; von März 1945 bis März 1947 amerikanische Kriegsgefangenschaft (u.a. in Mourmelon); März 1947 Rückkehr nach Mainz, ab da an als freischaffender Künstler tätig; anfangs wohnte das Ehepaar zusammen mit Annis Mutter in einem Zimmer in der Walpodenstraße 14; finanzielle Sorgen bedrängten die Familie; 1956 Umzug in die Kaiserstraße; langsam besserte sich die wirtschaftliche Lage; Studienaufenthalte in fast allen europäischen Ländern; seit 1947 Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen Städten des In- und Auslandes, u. a. Mainz, Berlin, München, Brüssel, Florenz, Rom, Paris, Monte Carlo, Santiago de Chile, posthum auch in Salzburg, Ankara, Valencia, Oslo, Leek (GB), New York und Jerusalem; 1970-74 zahlreiche Silber-/Goldmedaillen von Kunstakademien in Rom, Monte Carlo, Biarritz, Borgosesia und Paris. Posthum Ehrenauszeichnungen in Monte Carlo, Lyon, Juan-les-Pins, Paris und Antibes; 1993 Silberehrennadel Europäischer Kulturkreis Berlin; 1982 Benennung einer Straße in Mainz-Bretzenheim nach Adolf Gerhard; 2010 organisierte die Adolf-Gerhard-Stiftung in Kooperation mit dem Kulturdezernat der Landeshauptstadt Mainz zum 100. Geburtstag des Künstlers die Ausstellung „Ein Mainzer Künstler zwischen Tradition, Wandel, Realität und Vision“

Literatur
BORRMANN, Gottfried (1984): Adolf Gerhard 1910-1975. Das Religiöse in seinem Werk; H. Schmidt; Mainz
KOTZUR, Hans-Jürgen (Hrsg.) (1996): Adolf Gerhard 1910-1975 [Begleitbuch zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 15. März 1996 bis 29. Juni 1996]; Hermann Schmidt; Mainz
SPANNER, Werner (1973): Vorwort, in: Adolf Gerhard. Maler Bildhauer [Artis Documenta]; Editions Christian Hals; Monte-Carlo; unpag.