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„Gelbe Canna“

Öl auf Leinwand; gerahmt
u.l. datiert „[19]62“

Rahmengrösse: 63×93,3cm
Leinwandgrösse: 50×80,5cm

u.l. signiert „A. Gerhard“, sowie verso auf dem Keilrahmen o.r. in Blei sign.
verso auf dem Keilrahmen o.r. vom Künstler in Blei bezeichnet: „Gelbe Canna“

€ 575,-

 

 

 

     

 

Zustand
im mittleren, sowie im oberen Bildbereich Craquelé-Bildung; an den pastos ausgeführten Farbstellen mitunter leicht beschmutzt/fleckig; Rahmen mit leichten Gebrauchsspuren (etwas berieben, leichte Abplatzer); verso auf Keilrahmen o.r. in Blei undeutl. bez., sowie (wohl) mit früherer Preisangabe bez. „700,-„

 

 

Die Canna Pflanze (Blumenrohr) stammt ursprünglich aus den tropischen, subtropischen Gebieten Mittel- und Südamerikas. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts ist sie als Zierpflanze in Europa dokumentiert. Gelegentlich, obgleich eher selten, wird die Pflanze von Künstlern (am bekanntesten hierbei wohl Christian Rohlfs) für ein Stilllebenarrangement gewählt.
Adolf Gerhard hat die gelbe Canna in dem vorliegenden hochformatigen Gemälde vor einen rotbraunen Hintergrund gestellt, bei dem man unweigerlich an die Wärme, die Schwüle und die glutheiße Temperatur denkt, welche bei den exotischen Ursprungsgebieten der Pflanze in den Sinn kommen. Die Farben sind satt und mitunter pastos ausgeführt, wogegen die Konturen auch ineinander übergehen und keine exakten Begrenzungen zeigen – alles erscheint kräftig, wuchtig und doch zugleich flimmernd wie eine Augentäuschung.
Wunderbare Stillleben-Komposition in der ganz eigenen Manier des Mainzer Künstlers!

 

 

Zu Adolf Gerhard (20.10.1910 Mainz – 21.02.1975 ebd.):
Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer; der Vater Jacob Gerhard war selbst Holzbildhauer und Kunsthändler, bei ihm erhielt er seine erste künstlerische Ausbildung; 1926-32 Studium der Malerei und der Innenarchitektur an der Kunst- und Gewerbeschule Mainz (Abschluss mit Diplom); in dieser Zeit Anschluss an die „Vereinigung Mainzer Künstler“; ab 1932 Mitarbeit im elterlichen Betrieb; aufgrund der anthroposophischen Ausrichtung der Familie wurden seine Werke vermehrt während der Zeit des Nationalsozialimus‘ geächtet; aufgrund einer Sehschwäche vom Wehrdienst zurückgestellt; 1940-1943 Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main; 25.07.1942 Heirat mit der Musiklehrerin Anni, geb. Binger; das Ehepaar Gerhard lebte in der Walpodenstraße 35 in Mainz; 1942 Zwangsverpflichtung (Reichsarbeitsdienst) in eine Munitions- und Giftgasfabrik, Studienunterbrechung; kurze Wiederaufnahme der Studien; am 31. März 1943 Einberufung zur Wehrmacht und endgültiger Studienabbruch; Gerhard war in einer Flakstellung in der Nähe von Mainz eingesetzt; 27. Februar 1945 die Wohnung in der Walpodenstrasse 35 und die elterliche Wohnung mit der Kunstwerkstätte werden bei einem Bombenangriff zerstört; von März 1945 bis März 1947 amerikanische Kriegsgefangenschaft (u.a. in Mourmelon); März 1947 Rückkehr nach Mainz, ab da an als freischaffender Künstler tätig; anfangs wohnte das Ehepaar zusammen mit Annis Mutter in einem Zimmer in der Walpodenstraße 14; finanzielle Sorgen bedrängten die Familie; 1956 Umzug in die Kaiserstraße; langsam besserte sich die wirtschaftliche Lage; Studienaufenthalte in fast allen europäischen Ländern; seit 1947 Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen Städten des In- und Auslandes, u. a. Mainz, Berlin, München, Brüssel, Florenz, Rom, Paris, Monte Carlo, Santiago de Chile, posthum auch in Salzburg, Ankara, Valencia, Oslo, Leek (GB), New York und Jerusalem; 1970-74 zahlreiche Silber-/Goldmedaillen von Kunstakademien in Rom, Monte Carlo, Biarritz, Borgosesia und Paris. Posthum Ehrenauszeichnungen in Monte Carlo, Lyon, Juan-les-Pins, Paris und Antibes; 1993 Silberehrennadel Europäischer Kulturkreis Berlin; 1982 Benennung einer Straße in Mainz-Bretzenheim nach Adolf Gerhard; 2010 organisierte die Adolf-Gerhard-Stiftung in Kooperation mit dem Kulturdezernat der Landeshauptstadt Mainz zum 100. Geburtstag des Künstlers die Ausstellung „Ein Mainzer Künstler zwischen Tradition, Wandel, Realität und Vision“

Literatur
BORRMANN, Gottfried (1984): Adolf Gerhard 1910-1975. Das Religiöse in seinem Werk; H. Schmidt; Mainz
KOTZUR, Hans-Jürgen (Hrsg.) (1996): Adolf Gerhard 1910-1975 [Begleitbuch zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz vom 15. März 1996 bis 29. Juni 1996]; Hermann Schmidt; Mainz
SPANNER, Werner (1973): Vorwort, in: Adolf Gerhard. Maler Bildhauer [Artis Documenta]; Editions Christian Hals; Monte-Carlo; unpag.